Auf dieser Seite finden Sie Beiträge zum Leben im England der Regency-Zeit, thematisch geordnet nach den unterschiedlichen Lebensabschnitten.

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Berufe für Gentlemen

23.02.2024

Gemälde mit Kavallerieoffizier

Starb ein Peer, gingen Titel und Besitz an seinen ältesten Sohn (siehe Beitrag "Erbfolge" vom 23.02.2024 in der Rubrik "Dies & Das"), jüngere Söhne mussten ihren Lebensunterhalt anderweitig verdienen. Selbiges galt für die nachgeborenen Söhne der Gentry. Allerdings gab es nur wenige Berufe, die dafür in Frage kamen: Offiziere, Geistliche und Anwälte. Andere Berufe, auch der des Arztes, waren sozial weniger angesehen und kamen nicht in Betracht, wollte man als Gentleman gelten.

 

Offiziere in Armee & Marine

Dies war der edelste und vornehmste Beruf. Um Offizier der Infanterie oder Kavallerie zu werden, kaufte man ein Offizierspatent, eine militärische Ausbildung war nicht erforderlich. Man begann anschließend im niedrigsten Rang (cornet/ensign). Beförderungen konnten durch besondere Verdienste erworben oder ebenfalls gekauft werden, setzten für die unterschiedlichen Ränge allerdings eine Mindestdienstzeit voraus.

 

Bei der Marine sah es etwas anders aus: Hier musste man entweder von Kindheit an auf einem Schiff gedient oder - wie Thomas Landon, Melinas jüngerer Bruder aus meinem Buch "Eine Braut für Admiral Worsley" - das Royal Naval College besucht und mindestens drei Jahre als Midshipman gedient haben sowie danach eine Prüfung ablegen, bevor man ein Offizierspatent erhalten konnte.

 

Geistliche (Kuraten, Vikare, Rektoren)

Um Geistlicher zu werden, benötigte man ein Universitätsstudium in Oxford oder Cambridge. 

 

Ein Parish hatte entweder einen Rektor (wie es Jane Austens Vater war) oder – in dessen Vertretung – einen Vikar, der wiederum, sofern er es sich leisten konnte, mit Erlaubnis des Bischofs einen Kuraten bezahlen konnte, der für ihn bestimmte Aufgaben übernahm und ihm assistierte. Rektoren und Vikare erhielten ein deutlich höheres Gehalt als Kuraten und genossen daher ein höheres gesellschaftliches Ansehen.

 

Anwälte (Solicitors, Barristers)

Barristers mussten ebenfalls studiert haben und anschließend vier Jahre lang in einer der vier Rechtsanwaltskammern bei einem Barrister praktizieren. Sie waren Prozessanwälte, die Klienten vor Gericht vertraten, und angesehener als Solicitors.
 
 Solicitors beauftragten Barristers im Namen ihrer Klienten und arbeiteten ihnen zu, indem sie Sachverhalte ermittelten, Beweise aufnahmen, Verträge und Testamente erstellten etc. Sie konnten entweder ebenfalls studieren oder eine mehrjährige Ausbildung bei einem Anwalt absolvieren. 

Exkurs: Kinderarbeit

24.01.2024

Gemälde eines Mädchens beim Tränken der Schweine, Richard Westall,1800

Nachdem wir uns in den vorangegangenen Beiträgen (siehe weiter unten) mit dem Aufwachsen der Töchter und Söhne besserer Familien befasst haben, geht es in diesem Beitrag um das Schicksal vieler Kinder armer Familien – denn auch diese weniger schönen Seiten gehören leider zu unserer Lieblingszeit, dem Regency.

 

Arbeit in der Landwirtschaft

Die Töchter von Pächtern mussten meist von klein auf im Haushalt, Küchengarten, bei der Versorgung der Hühner und Melken der Kühe mithelfen, die Söhne in den Ställen und auf den Feldern. Dennoch ging es ihnen vergleichsweise besser als jenen Kindern, die in Bergwerken oder Fabriken arbeiten mussten, denn das Verletzungsrisiko war geringer, und die Lunge wurde nicht von klein auf durch Kohlestaub, Textilfasern oder giftige Dämpfe geschädigt.

 

Arbeit in Fabriken

Im Zuge der Industrialisierung entstanden in großen Städten wie London, Manchester, Liverpool oder Birmingham zahlreiche Fabriken. Kinder wurden v.a. zum Reinigen und Reparieren von Maschinen oder Bodenreinigen zwischen und unter den Maschinen eingesetzt, weil sie klein waren. Oft blieben die Maschinen dabei in Betrieb, und es kam zu schweren, teils sogar tödlichen Verletzungen. 

 

Die extrem schlechte Luft in den Fabrikhallen aus (Textil-)Staub, Baumwollfasern, Öl- und Schmierfettdämpfen und Rauch griff die Lunge der Kinder an. Viele litten an Tuberkulose, Lungenkrebs, Augenentzündungen und Schwerhörigkeit aufgrund der lauten Maschinen. In Streichholzfabriken wurden die Streichhölzer in hochgiftigen Phosphor getaucht, die Phosphordämpfe lösten häufig eine Phosphornekrose aus (eine Art Knochenkrebs am Unterkiefer). In Glasfabriken erlitten Kinder häufig schwere Verbrennungen oder erblindeten aufgrund der starken Hitze.

 

In meinem Buch "Eine Braut für Admiral Worsley" erinnert sich Mr. Jennings in Kapitel 11 an seine Kindheit, als er ebenso wie seine Eltern und Geschwister in einer der Londoner Fabriken arbeiten musste.

Kinder im Bergwerk, die Karren schieben bzw. ziehen. 1842

Arbeit in Kohle- und Erzbergwerken

Kinder schoben oder zogen in Bergwerken als „Hurriers“ Lorries durch schmale Stollen, durch die kein Erwachsener passte, oder trugen in Rückenkörben schwere Lasten schmale Leitern hinauf. Die jüngsten Kinder waren als „Trappers“ für das Öffnen und Schließen von Klapptüren zuständig, sobald ein Hurrier mit dem Lorry kam. Trappers saßen neben der Tür in einer kleinen Nische, hatten meist keine Kerze und waren daher den ganzen Tag über in völliger Finsternis.

 

Kinder waren in den Bergwerken zahlreichen Gefahren ausgesetzt. Stollen konnten über ihnen einbrechen, Gestein herabstürzen, Gase durch die mitgeführten Kerzen explodieren. Das Einatmen des Kohlestaubs schädigte die Lunge, und die schwere Arbeit mit vollbeladenen Lorries verursachte bleibende Schäden am Skelett und den Gelenken. Durch die Ketten, die zum Ziehen der Lorries um die Hüfte befestigt wurden, kam es insbesondere an den Beckenknochen zu Deformationen, die bei Mädchen später häufig zu Problemen bis hin zu Todesfällen bei der Geburt führten.

 

Die Lebenserwartung von Personen, die von klein auf in Bergwerken oder Fabriken arbeiten mussten, betrug im Schnitt 25 bis 30 Jahre.

 

Arbeit als Dienstboten

Wenn ein Kind großes Glück hatte, fand es eine Anstellung in einem Haushalt, beispielsweise als Küchenjunge oder Spülmädchen, und konnte sich im Lauf der Jahre in der Dienstbotenhierarchie nach oben arbeiten. Der Bedarf an Dienstboten war allerdings gering, wogegen Fabriken eine hohe Nachfrage nach billigen Arbeitskräften hatten. Daher fanden die meisten Kinder keine Beschäftigung in einem Haushalt, sondern mussten in den Fabriken arbeiten.

Elegantes Paar, Rauchfangkehrer und Chimney Sweeps. Gemälde ca. 1811.

Arbeit als „chimney sweeps“

Rauchfangkehrer beschäftigten gerne Kinder als Gehilfen, so genannte „chimney sweeps“. Sie passten in schmale Schornsteine und mussten diese reinigen. Die Arbeit war schwer und gefährlich: Der Kohlestaub griff die Lunge an, die Kinder hatten ständig Verletzungen an Armen, Beinen und Gelenken durch das Hinablassen und Hinaufklettern in den Schornsteinen, und manche stürzten zu Tode oder blieben im Rauchfang stecken und starben darin.

Arbeit auf Londons Straßen

Straßenjungen und Straßenmädchen waren in London ein alltäglicher Anblick. Sie arbeiteten z.B. als Straßenverkäufer (z.B. Blumenmädchen), als Stiefelputzer oder als Lumpensammler.

 

Arbeit als Prostituierte

Viele Mädchen ärmerer Familien zogen in die Städte, um dort als Dienstmädchen zu arbeiten, wenn ihre Arbeitskraft für die Familie zu Hause nicht mehr von Nutzen war. Dieser Umzug schnitt sie oft vom Familienkreis ab und machte sie verwundbar. Da das Dienstverhältnis jederzeit beendet werden und das Mädchen dadurch obdach- und arbeitslos werden konnte, mussten sich viele Mädchen als vorübergehende oder langfristige Lösung für ihre Arbeitslosigkeit der Prostitution zuwenden.

Titelblatt des Berichts der englischen Untersuchungskommission über Kinderarbeit in Bergwerken. 1842.

Schutz von Kindern und Einschränkung von Kinderarbeit 

Seit Beginn des 19. Jahrhunderts gab es in Großbritannien und anderen europäischen Ländern Reformbewegungen, die sich für mehr Schutz von Kindern und rechtliche Einschränkungen der Kinderarbeit einsetzten. Im Factory Act von 1802 gab es erste Bestimmungen für Kinderarbeit in Baumwoll- und Wollfabriken, aber keine Regelungen für alle anderen Arbeitsstellen wie Bergwerke. Der Cotton Mills and Factories Act von 1819 legte das Mindestalter der Kinder auf 9 Jahre fest, und sie durften nur maximal 12 Stunden pro Tag arbeiten, er bezog sich jedoch nur auf die Arbeit in Baumwollfabriken, nicht auf Kinderarbeit im Allgemeinen. 

 

1840 leitete Lord Ashley eine königliche Untersuchungskommission, die die Bedingungen der Arbeiter (insbesondere der Kinder) in den Kohlebergwerken untersuchte. Die Kommissionsmitglieder besuchten Zechen und Bergbaugemeinden und sammelten Informationen. Der Bericht inklusive zahlreicher Aussagen von Betroffenen wurde im Mai 1842 veröffentlicht und schockierte die viktorianische Öffentlichkeit. Er wurde im Parlament diskutiert und führte im August desselben Jahres zu einem Gesetz, das die Arbeit von Frauen und Kindern unter Tage verbot. 

 

Der digitalisierte Bericht ist kostenlos über den Google Playstore abrufbar (Link zum Bericht). 

Grand Tour

20.11.2023

Théodore Gericault, Evening: Landscape with an Aqueduct (1818)

Junge Gentlemen, die kein Universitätsstudium begannen, begaben sich zusammen mit ihrem Tutor häufig auf eine Bildungsreise durch Europa – die so genannte Grand Tour –, sofern sich die Familie dies leisten konnte. Die Grand Tour diente vor allem dazu, andere Länder und deren Kunst und Kultur kennenzulernen und die Sprachkenntnisse zu vertiefen. Die klassischen Reiseländer waren Frankreich und Italien, manchmal auch Spanien, Portugal, Deutschland, Osteuropa, der Balkan und das Baltikum.

Die jungen Männer brachten von ihren Reisen zahlreiche Erinnerungsstücke mit, die zu Hause gut sichtbar für Besucher zur Schau gestellt wurden. So hat Nicholas, der zu Beginn meines Buch "Kein Baron für Miss Louisa" von seiner Grand Tour zurückkehrt, zahlreiche in Italien undd Griechenland erworbene archäologische Fundstücke im Gepäck, um sie in seinem Salon in einem Schaukasten zu präsentieren.

 

Die Grand Tour machten vorwiegend Männer. Es gab aber auch Frauen, die reisten, darunter Lady Elizabeth Craven, die 1785 durch Italien, Österreich, Russland und Konstantinopel reiste und danach ihre Reisebriefsammlung veröffentlichte (die Louisa in meinem Buch „Kein Baron für Miss Louisa“ als Inspiration für ihre eigenen Reisepläne dient). Auch die Ehefrau des Prince Regent, Prinzessin Caroline von Braunschweig-Wolfenbüttel, bereiste Europa von 1814 bis 1820.

 

Während der Napoleonischen Kriege war eine Grand Tour nicht möglich, da die Strecke üblicherweise durch Frankreich führte. Wer – wie Lord Byron – dennoch nicht auf eine Grand Tour verzichten wollte, musste die klassischen Reiseländer meiden oder alternativ eine Reise durch England und Schottland unternehmen. Viele Gentlemen holten ihre Grand Tour nach dem Ende der Napoleonischen Kriege (1815) nach. 

Studium

16.09.2023

Student, an einem Tisch einem Gelehrten in Robe gegenübersitzend (Zeichnung, 1802)

Universitäten

Während der Regency-Zeit gab es zwei Universitäten, Oxford und Cambridge, mit mehreren Colleges. Der Schwerpunkt des Curriculums lag in klassischer und humanistischer Bildung, Mathematik, Religion und Politik. Das Studienjahr war in Oxford in vier Semester eingeteilt, in Cambridge in drei. 

 

Die Zahl der Studenten war verhältnismäßig gering, da man ein Studium nur für einige wenige Berufe benötigte, darunter Geistliche und Rechtsanwälte. Daneben besuchten auch Titelerben häufig die Universität, um sich auf ihre politischen Aufgaben im Parlament vorzubereiten. Für alle anderen Personen gab es keinen Grund, ein teures Studium zu absolvieren. 

Schulzeit

16.09.2023 / 25.10.2023

Drei Kinder (Gemälde, 1803)

Während der Regency-Zeit gab es kein standardisiertes Bildungssystem, keine staatlich finanzierten öffentlichen Schulen und keine Schul- bzw. Unterrichtspflicht. Es oblag den einzelnen Familien, für die Erziehung und Bildung ihrer Kinder zu sorgen. Je nach Einkommen gab es dafür verschiedene Optionen abseits des Heimunterrichts durch Tutoren oder Gouvernanten.

Schulmeister mit Schülern (Kupferstich, 19. Jahrhundert).

Öffentliche Schulen

Die Kirche und religiöse Vereine betrieben öffentliche Schulen, die für die Armen kostenlos waren. Diese Schulen waren hauptsächlich für Söhne der Unterschicht und ärmeren Mittelschicht (z.B. Arbeiter- und Dienstbotenschicht) gedacht, allerdings gingen diese oft nicht zur Schule, sondern arbeiteten, um zum Familieneinkommen beitragen zu können. 

Schulmeister mit Rute hinter einem Schüler stehend (Stich, 1829)

Privatschulen

Privatpersonen – oft Geistliche wie Jane Austens Vater, die sich damit etwas Geld dazuverdienen konnten – betrieben Internatsschulen, in denen die Söhne wohlhabender Familien gegen eine jährliche Gebühr von etwa 20-40 Pfund Unterricht, Unterkunft und Verpflegung erhielten. Renommierte Schulen wie Eton, Harrow oder Westminster waren teurer, kluge Söhne weniger wohlhabender Familien konnten jedoch ein Stipendium erhalten. 

 

Unterrichtet wurde Mathematik, Naturwissenschaften, klassische Literatur, Poesie, Wirtschaft, Geschichte, Geographie, Religion, Sprachen (Französisch, Griechisch, Latein), Philosophie, Musik, Etikette und Sport. Oft war in der Schulgebühr ein gewisser Fächerkanon inkludiert, weitere Fächer wurden optional angeboten und mussten extra bezahlt werden. 

 

Das Leben auf einer Privatschule war für die Schüler nicht einfach. Es gab harte Strafen, körperliche Züchtigung und Disziplinarmaßnahmen, häufig Gewalt und Mobbing durch ältere Schüler, und oft brachen Krankheiten und Seuchen aus. 

Zeichnung einer Gruppe junger Damen, im Hintergrund Schild "Boarding School for Young Ladies"

Seminare für junge Damen

 „Ladies‘ Seminaries“, die meist von einer Frau oder einem Schwesternpaar geführt wurden und ähnlich wie die Privatschulen für Söhne besserer Familien ebenfalls Unterkunft und Verpflegung boten, richteten sich vorwiegend an die Mädchen der Mittelschicht. Unterrichtet wurde v.a. Französisch, Zeichnen, Nähen, Sticken, Lesen, Schreiben, Etikette, manchmal auch Pianoforte und Tanzen. 

Mädchen verbrachten üblicherweise ein bis zwei Jahre in einem dieser Seminare. Jane Austen und ihre Schwester Cassandra besuchten ein Jahr lang eine Privatschule für Mädchen. 

Kinder im Heimunterricht

13.08.2023 / 25.10.2023

Zeichnung eines Lehrers mit Schulkindern

Ab einem Alter von fünf Jahren begann die formale Bildung der Kinder. Oft übernahm das Kindermädchen eine erste Basisbildung im Benehmen, Lesen und einfachem Rechnen. 


Tutoren

War die Familie wohlhabend, wurde für die Söhne danach ein Tutor eingestellt oder ein gebildeter Mann bezahlt, der Kinder einzeln oder in kleinen Gruppen bei sich zu Hause unterrichtete, wie es Jane Austens Vater tat. Konnte die Familie sich keinen Tutor für die Söhne leisten, wurden diese wie die Töchter von der Gouvernante unterrichtet.

Gemälde einer Mutter mit zwei Töchtern um 1796

Gouvernanten

Die Töchter wohlhabender Familien erhielten eine Gouvernante, zunächst - bis zum Alter von etwa 12 Jahren - eine  „nursery governess“. Diese war für die Erziehung zuständig und unterrichtete die Kinder im Lesen, Schreiben und Rechnen sowie in Fächern wie Geschichte, Geografie und Religion. 

Die „nursery governess“ wurde anschließend von einer „preparatory governess“ (manchmal findet sich auch der Begriff „finishing governess“) abgelöst, die eine höhere Bildung als die „nursery governess“ besaß und entsprechend besser bezahlt wurde. Sie war nicht nur für den Unterricht zuständig, sondern bereitete die Mädchen auch auf die Einführung in die Gesellschaft vor. War die „nursery governess“ gebildet genug, konnte sie jedoch auch die Funktion einer „preparatory governess“ übernehmen. 

Legte der Vater besonderen Wert auf die Bildung seiner Töchter, konnten die Töchter ebenso wie die Söhne von einem Tutor unterrichtet werden.

Babys & Kleinkinder

11.07.2023

Gemälde einer stillenden Mutter

Stillen

Stillen galt im Regency in den besseren Kreisen als unfein. Darüber hinaus war ein reicher Kindersegen erwünscht und die empfängnisvermindernde Wirkung des Stillens bekannt, weshalb Damen meist nicht selbst stillten. Obwohl bereits im Lauf des 18. Jahrhunderts aus medizinischen Kreisen die Hinweise und Forderungen immer lauter wurden, dass Mütter ihre Kinder selbst stillen sollten, da dies für die Kinder gesünder sei und dadurch auch die Kindersterblichkeit sinken würde, war es auch zu Beginn des 19. Jahrhunderts in vielen Familien üblich, eine Amme einzustellen. 

Gemälde von schlafendem Baby im Arm der Mutter

Ammen und Kindermädchen

In wohlhabenderen Familien gab es in der Regel sowohl eine Amme, die für das Stillen des jüngsten Sprösslings zuständig war, als auch ein Kindermädchen, das sich um das Wohlergehen und die Pflege der Kinder kümmerte. Gab es in einer Familie mehrere Kinder, wurde das Kindermädchen manchmal von einem weiteren Kindermädchen unterstützt. Kindermädchen wurden als „nurse“ bezeichnet. Den Begriff „nanny“ gab es zwar bereits, er war aber unüblich. 

Zeichnung eines Kinderzimmers um 1830

Kinderzimmer

Die Kinder waren in einem Kinderzimmer untergebracht, das sich in größeren Häusern in einem eigenen Bereich des Hauses oder im Dachboden befand, wo auch die Amme und das Kindermädchen wohnten. Die Mutter besuchte ihre Kinder gegebenenfalls mehrmals täglich, aber generell kümmerte sich das Kindermädchen um diese.

Eltern-Kind-Beziehung

Die Kindersterblichkeit war nach wie vor hoch, die Beziehung zwischen Eltern und Kindern nicht zuletzt aufgrund dessen oft eher distanziert. Durch den langsamen Rückgang der Kindersterblichkeit ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts setzte jedoch parallel dazu eine gegenteilige Entwicklung ein. Immer mehr Eltern wagten es, eine engere Bindung zu den eigenen Kindern zuzulassen. Wurden Kinder davor regelrecht „weggesperrt“, bis sie erzogen waren und sich benehmen konnten, nahmen sie im Regency stärker am Familienleben teil. 

Bildnachweise

Die auf dieser Seite verwendeten Bilder stammen vom Metropolitan Museum of Art sowie vom Rijksmuseum Amsterdam und befinden sich in der Public Domain. Mit Klick auf das Bild gelangen Sie zum jeweiligen Bild auf der Museumsseite.

Textquellen

Meine Recherchen stützen sich vorwiegend auf die folgenden Quellen. Je nach Thema ziehe ich fallweise auch weitere Literatur (wissenschaftliche Fachartikel, Nachschlagewerke etc.) heran.

 
Literatur:

  • Ian Mortimer, Im Rausch des Vergnügens. Eine Reise in das England von Jane Austen und Lord Byron (Verlag Piper, 2022)  
  • Jennifer Kloester, Georgette Heyer’s Regency World (Verlag Sourcebooks, 2010) 

 
Blogs:

sowie diverse Blogs von Regency-Autorinnen