Gemälde einiger alter Bücher, daneben Text "Bücher und Zeitschriften"

Auf dieser Seite finden Sie Beiträge über verschiedene Themen rund um die Literatur und Buchproduktion in der Regency-Zeit.

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Büchereien und Buchhandlungen 

 29.05.2026

Innenraum einer Leihbücherei. Zeichnung von Thomas Rowlandson, 1813.

Bücher waren sehr teuer (siehe unten mein Blogpost "Bücher als Luxusgut" vom März 2025) und nur für Wohlhabende leistbar. Wer sich keine Privatbibliothek leisten konnte, musste aber dennoch nicht auf das Lesen verzichten: Die Mitgliedschaft in einer Bücherei war eine kostengünstige Alternative. Im Regency gab es verschiedene Arten von Büchereien:

Privatbüchereien für Mitglieder

Diese Büchereien wurden oft von Einzelpersonen gegründet und befanden sich meist in Privathäusern. Sie wurden durch Mitgliedsbeiträge oder – wie bei der Bücherei in meinem fiktiven Städtchen Belcot – durch Stiftungen finanziert und waren nur für eingeschriebene Mitglieder gegen Bezahlung einer Subskriptionsgebühr zugänglich („subscription libraries“). Abhängig von der Höhe der Subskriptionsgebühr von wenigen Shilling bis zu einem Pfund oder mehr konnte man eine gewisse Anzahl an Büchern pro Jahr ausleihen. 

 

Privatbüchereien verfolgten keine kommerziellen Interessen. Die Gebühren wurden ausschließlich dazu verwendet, neue Bücher den Kundenwünschen entsprechend anzukaufen. In Privatbüchereien konnte man manchmal an die Regale gehen und selbst nach Büchern suchen, wie Catherine es in meinem Buch Ein Viscount per Annonce tut und wie man es von heutigen Büchereien kennt.

Leihbüchereien 

Leihbüchereien („circulating libraries“) waren eine Kombination aus Bücherei und Buchhandlung und dienten den Buchhändlern als zusätzliche Einnahmequelle. Kunden konnten dort Bücher kaufen oder gegen eine jährliche Gebühr ausleihen. In Leihbüchereien konnte man nicht an die Regale gehen, sondern fragte den Verkäufer nach einem bestimmten Titel oder nach Büchern zu einem bestimmten Thema oder blätterte den auf dem Ladentisch liegenden Katalog mit den vorhandenen Titeln durch, den viele Buchhandlungen einmal im Jahr herausbrachten.

Dorfbüchereien

Auf dem Land bestand eine Bücherei üblicherweise lediglich aus einigen Regalen hinter dem Verkaufstisch eines Geschäfts. Der Geschäftsinhaber hatte meist eine Vereinbarung mit einer Bücherei in einer der größeren Städte der Umgebung und erhielt von dieser in regelmäßigen Abständen eine Bücherkiste mit neuen Büchern und sandte die alte Bücherkiste zurück, was bedeutete, dass die Bücher rechtzeitig zurückgegeben werden mussten. Diese Dorfbüchereien waren also mehr oder weniger Filialen einer größeren städtischen Bücherei und finanzierten sich über jährliche Mitgliedsbeiträge oder eine Ausleihgebühr pro Buch.

Innenraum der Buchhandlung "Temple of the Muses". 1809.

Der "Tempel der Musen"

Die größte Buchhandlung Großbritanniens im Regency und zugleich die einzige Leihbücherei, bei der die Kunden direkt an die Regale gehen konnten, war der 1774 eröffnete „Temple of the Muses“ in London (zerstört 1841 bei einem Feuer) mit etwa einer Million Büchern und einer runden Theke unter einer Kuppel in der Mitte. 

Andere bekannte Leihbüchereien in London waren Minerva Press (zugleich ein Verlag, der mit der Publikation von Schauerromanen berühmt wurde) sowie die Buchhandlungen Hatchard’s, die bis heute existiert, und Hookham‘s. 

Society News und Klatschkolumnen 

29.04.2026

Ausschnitt aus der Klatschkolumne Histories of the Tête-à-Tête.

Wer Bridgerton gelesen oder gesehen hat, kennt es nur zu gut: Das Klatschblatt von Lady Whistledown, in dem die anonyme Verfasserin wiederholt die Machenschaften und Geheimnisse diverser Figuren der Serie aufdeckt. Und vielleicht erinnerst du dich daran, wie Belcots „Klatschbase vom Dienst“ Dorothy Harthorpe mit ihrer Klatschkolumne in meinem Buch Eine Braut für Admiral Worsley besagten Admiral Worsley in ernste Schwierigkeiten bringt. Doch gab es solche Klatschblätter und Klatschkolumnen auch im „echten“ Regency? 

Jein.

Klatsch und gesellschaftliche Neuigkeiten wie Berichte über Bälle, Hochzeiten und Skandale waren ein wichtiger Bestandteil vieler Magazine und Zeitungen, denn die Londoner Gesellschaft liebte Klatsch. Zeitschriften wie The Lady’s Monthly Museum, La Belle Assemblée und die Morning Post enthielten daher Klatschspalten und Berichte über das Leben der feinen Gesellschaft. 


Eine beliebte Kolumne war „Histories of the Tête-à-Tête“ (siehe Bild). Sie erschien zwischen 1769 und 1792 im Town and Country Magazine. Sie war berüchtigt dafür, pikante Details über die Skandale und das Privatleben der Oberschicht zu enthüllen, insbesondere über Adelige und deren Mätressen.


Klatschblätter wie jenes von Lady Whistledown in der Serie "Bridgerton" – also Veröffentlichungen, die ausschließlich Klatsch verbreiteten und nur zu diesem Zweck gedruckt wurden – gab es allerdings nicht. Am ehesten könnte man noch The Scourge, das von 1811 bis 1816 erschien, als ein solches Klatschblatt bezeichnen. Es schockierte die britische Gesellschaft mit Karikaturen und Satiren über bekannte Personen. 

Damen- und Herrenmagazine 

29.03.2026

Damenmagazine

Magazine für Damen waren oft reich illustriert und richteten sich an die gebildete weibliche Leserschaft. Sie informierten über aktuelle Modetrends und gesellschaftliche Ereignisse, boten Unterhaltung in Form von Kurzgeschichten, Fortsetzungsromanen, Gedichten, Ratgebern (z.B. medizinischen Kolumnen) und Klatsch, veröffentlichten Stickmuster für Bekleidung und Haushaltstextilien und enthielten Berichte über verschiedene Themen aus Literatur, Musik und Kunst, einschließlich Biografien bekannter Persönlichkeiten.

 

Bekannte Titel:

  • Ackermann’s Repository of Arts (1809–1829) war berühmt für seine hochwertigen Modetafeln, Möbel- und Inneneinrichtungsbeispiele sowie Berichte über Kunst und Kultur. Daneben brachte das Magazin regelmäßig Beiträge über Handwerk, Literatur und Politik.
  • La Belle Assemblée (1806–1837) war neben Ackermann’s Repository eines der bekanntesten Damenmagazine, mit literarischen Beiträgen bekannter Schriftstellerinnen (darunter Mary Shelley), Berichten über Politik, Wissenschaft und gesellschaftliche Ereignisse sowie Rezensionen zu Büchern und Theaterstücken. Neben zwei Modetafeln enthielt jede Ausgabe ein Porträt einer bedeutenden Persönlichkeit der Gesellschaft, ein einseitiges Musikstück und ein Schnittmuster. Mary Ann Bell, eine der berühmtesten Modemacherinnen des Regency, publizierte ihre Entwürfe regelmäßig in diesem Magazin.
  • The Ladies’ Monthly Museum (1798–1832) enthielt Mode, Klatsch, Kurz- und Fortsetzungsgeschichten sowie Gedichte und veröffentlichte neben Modetafeln auch Porträts bekannter Adeliger.
  • The Lady’s Magazine (1770–1847) enthielt Mode, Literatur, Ratgeber, Gedichte, Berichte über das gesellschaftliche Leben, Musik und Theater sowie Klatsch.

Herrenmagazine 

Auch für die gebildete männliche Leserschaft gab es zahlreiche Magazine, die sich mit Literatur, Wissenschaft, Politik und Gesellschaft beschäftigten und eine Mischung aus Information, Unterhaltung und Meinungsbildung boten.

 

Bekannte Titel:

  • Blackwood’s Edinburgh Magazine (1817–1980) war eine der bedeutendsten Literaturzeitschriften der späten georgianischen Zeit. Zu den Veröffentlichungen zählten literarische und politische Essays, Rezensionen und Erzählungen. Zahlreiche namhafte Autoren, darunter Percy Busshe Shelley und Samuel Taylor Coleridge, publizierten in der Zeitschrift. Sie diente Edgar Allan Poe als Inspiration für seine Kurzgeschichte How to Write a Blackwood Article (1838).
  • The Quarterly Review (1809–1967) war ein einflussreiches Literatur- und Politikmagazin. Unter seinem ersten Herausgeber, William Gifford, befürwortete die Zeitschrift die Abschaffung der Sklaverei, moderate Rechtsreformen, eine humane Behandlung von Straftätern und Geisteskranken sowie die Liberalisierung des Handels.
  • The Gentleman’s Magazine (1731–1922) war das älteste und bekannteste Magazin für gebildete Leser, mit literarischen Beiträgen (u.a. von Jonathan Swift), Wissenschaft, Geschichte und aktuellen Ereignissen. 

Tageszeitungen

28.02.2026

Titelseite der London Gazette von 1705.

In der Zeit zwischen 1790 und 1830 nahm die Bedeutung der Tageszeitungen stark zu. Sie wurden als „Nachrichtenblätter“ (news-sheets) bezeichnet, da sie aus nur einem in der Mitte gefalteten Blatt (also vier Seiten) pro Ausgabe bestanden. Es gab Morgen- und Abendausgaben. 


Tageszeitungen waren ein zentrales Medium für Nachrichten, Politik, Wirtschaft und gesellschaftliche Ereignisse. Daneben enthielten sie oft auch Anzeigen (z.B. Heiratsannoncen), Leserbriefe und manchmal literarische Beiträge.

Zielgruppe war die gebildete Mittelschicht und Oberschicht. Menschen in entlegenen Dörfern auf dem Land, in denen die Post nur einmal wöchentlich oder seltener ankam, erfuhren oft erst lange im Nachhinein von politischen und gesellschaftlichen Ereignissen.


Zu den bekanntesten Tageszeitungen zählte die London Gazette (kurz The Gazette), die seit 1665 bis heute erscheint und die älteste noch existierende englische Tageszeitung ist. Sie wurde (und wird) von der Regierung für offizielle Bekanntgaben genutzt. Außerdem fanden sich darin die Beförderungen von Offizieren, Nachrichten von Schlachtfeldern der Napoleonischen Kriege, die Verleihung neu geschaffener Adelstitel, die Übernahme des Titels durch den Titelerben eines verstorbenen Peers, adelige Eheschließungen und Geschäftskonkurse.


Weitere bekannte Londoner Tageszeitungen waren die Morning Post (erschienen 1772-1937), in der unter anderem Heiratsannoncen veröffentlicht wurden, The Times (seit 1785 bis heute), die über nationale und internationale Ereignisse berichtete, und der Morning Chronicle mit Berichten über Politik, Gesellschaft und Kultur.


Doch nicht alle Menschen konnten lesen oder sich ein Zeitungsabonnement oder die Mitgliedschaft in einer Leihbibliothek leisten. Daher zogen Stadtausrufer durch die Straßen Londons, ausgestattet mit einer Glocke (im Englischen hießen sie daher auch „bellmen“), und riefen wichtige Ereignisse aus. 

Kinderbücher im 18. und frühen 19. Jahrhundert

30.01.2026

Illustration aus dem Kinderbuch The Butterfly's Ball, 1808: Schnecke, Libelle, Grashüpfer, Spinnennetz, Schmetterling, Bienen

Frühe Kinderbücher im 18. Jahrhundert

Vor der Mitte des 18. Jahrhunderts gab es kaum Unterhaltungsliteratur für Kinder. Kinderbücher ließen sich im Wesentlichen drei Gruppen zuordnen: Schulbücher zum Lesenlernen, religiöse Werke zur Vermittlung christlicher Prinzipien und Fabeln zur Vermittlung moralischer Lehren. Daneben erschienen die ersten Märchensammlungen als Übersetzungen aus dem Französischen: The Arabian Nights‘ Entertainment (1706), im Deutschen bekannt als Tausendundeine Nacht, und Charles Perraults Tales and Stories of Times Past with Morals: Tales of Mother Goose (1729) (zu Märchen siehe Blogbeitrag unterhalb).

Bilderbücher im heutigen Sinne gab es noch nicht. Für Illustrationen nutzte man einfache Holzschnitte, die oft wahllos wiederverwendet wurden.

Kinderbücher im Regency

Nach 1800 entstanden eine Reihe neuer Genres in der Kinderliteratur:

  • John Harris veröffentlichte 1805 mit Old Mother Hubbard das erste voll illustrierte Kinderbuch, das ein riesiger Erfolg wurde. 
  • Maria Edgeworth wurde mit ihren Geschichten, die moralische Erziehung statt starrer Kirchendoktrinen vermittelten, zu einer der populärsten Kinderbuchautorinnen (z.B. Moral Tales for Young People (1801)). 
  • Mary Martha Sherwood wurde mit christlich-religiösen Kinderbüchern sehr populär (z.B. The History of Little Henry and his Bearer (1814) und The History of the Fairchild Family (1818)).
  • Ann und Jane Taylor schrieben die ersten bedeutenden Gedichtbände für Kinder, darunter Rhymes for the Nursery (1806), in dem das bis heute bekannte „Twinkle, Twinkle Little Star“ enthalten ist. Eine digitalisierte Ausgabe aus den 1830ern ist im Internet Archive frei verfügbar (Link zum Digitalisat – das Gedicht findet sich auf S. 11 unter dem Titel „The Star“). 
  • Auch illustrierte Geschichten in Reimform wurden im Regency sehr populär, wie The Butterfly’s Ball (1806, siehe Bild oben), aus dem in meinem Buch Ein Earl für Miss Alice die Titelheldin den Kindern vorliest. Eine digitalisierte Ausgabe von 1808 inklusive aller originalen Illustrationen ist auf der Website der freien digitalen Bibliothek Project Gutenberg verfügbar (Link zum Digitalisat).
  • Lange Zeit gab es Vorbehalte gegen Romane für Kinder. Obwohl bereits 1749 der erste speziell für Kinder geschriebene englische Roman erschien (Sarah Fielding’s The Governess), etablierte sich dieses Genre erst ab 1810 für ältere Kinder, maßgeblich geprägt durch Barbara Hofland (z.B. The Son of a Genius (1812)).

 

Die Bücherregale der Kinder wohlhabender Familien im Regency waren also nicht nur mit Schulbüchern und moralischen Lehren, sondern auch mit allerlei unterhaltsamen und oftmals liebevoll illustrierten Märchen-, Geschichten- und Gedichtbänden gefüllt. 

Märchen im Regency 

22.12.2025

Illustration des Märchens Der gestiefelte Kater, 1802.

Eine beliebte Freizeitbeschäftigung war das Lesen und Vorlesen von Gedichten und Geschichten. Auch Kindern wurden – damals wie heute – Geschichten und Märchen vorgelesen, wie es beispielsweise Alice in meinem Buch Ein Earl für Miss Alice macht. 

 

Natürlich denkt man beim Thema Märchen sofort an jene der Gebrüder Grimm: an Schneewittchen, den Froschkönig, Frau Holle und viele mehr. Doch die erste englische Übersetzung der Grimms Märchen erschien erst 1824. Daher begegnet Louisa auf dem Maskenball gegen Ende meines Buchs Kein Baron für Miss Louisa weder Schneewittchen noch Goldmarie und Pechmarie oder der bösen Hexe aus Hänsel und Gretel. All diese Märchen waren in der Regency-Zeit  unbekannt.

 

Das klingt im ersten Moment vielleicht etwas traurig – aber die Kinder mussten damals dennoch nicht ohne Märchen aufwachsen! Denn einige der bis heute bekanntesten Märchen wie Der gestiefelte Kater (siehe Bild: Ausschnitt aus einem Druck von 1802), Rotkäppchen, Der kleine Däumling, Dornröschen, Cinderella (bei Grimm: Aschenputtel), Eselshaut (bei Grimm: Allerleirauh) und Blaubart gab es damals schon. Sie sind in der wesentlich älteren Märchensammlung Histoires ou contes du temps passé, avec des moralités: Contes de ma mère l'Oye von Charles Perrault enthalten. Diese erschien 1697 auf Französisch und 1729 auf Englisch unter dem Titel Tales and Stories of Times Past with Morals: Tales of Mother Goose.*

 

Auch die orientalische Märchensammlung Tausendundeine Nacht war bereits bekannt. Die erste französische Übersetzung Les Mille et une nuits wurde 1706 ins Englische übersetzt. Eine weitere Übersetzung erschien 1811 in sechs Bänden unter dem Titel The Arabian Nights‘  Entertainment.**

 

* Die University of North Carolina at Greensboro (UNC Greensboro) stellt auf ihrem Digitalisierungsportal das Digitalisat einer Ausgabe aus den 1790ern mit dem etwas abgeänderten Titel „Mother Goose's tales, or, Histories of past times“ zur Verfügung (Link zum Digitalisat der UNC Greensboro).

 

** Die Digitalisate sind im Internet Archive frei verfügbar (Link zu den sechs Bänden im Internet Archive).

Poesie & Prosa

23.11.2025

Portraits von Sir Walter Scott und Mary Shelley.

Die Literatur des englischen Regency fällt in die literarische Epoche der englischen Romantik (1798-1832/37). Begründet wurde die englische Romantik mit der von Samuel Taylor Coleridge und William Wordsworth 1798 herausgegebenen Gedichtsammlung Lyrical Ballads.

 

Kernelemente der englischen Romantik waren:

  • die Natur, die als Quelle von Stärke und Glück betrachtet wurde
  • der Fokus auf das einfache Volk, dessen Sprache, Bräuche und oft schwierige Lebensumstände
  • Freiheit, Revolution und gesellschaftliche Reformen wie Frauenrechte, Abschaffung der Sklaverei und Unterstützung der arbeitenden Armen
  • die Betonung individueller Gefühle und Erlebnisse
  • die menschliche Existenz (Vergänglichkeit, Leid und Sterblichkeit)
  • Begeisterung für das Mittelalter und das Übernatürliche

 

Einige bekannte Personen der englischen Romantik waren:

  • Jane Austen (1775–1817) – Eine der bekanntesten Romanautorinnen der englischen Literatur, publizierte allerdings zeitlebens anonym
  • Anna Laetitia Barbauld (1743–1825) – Dichterin, Essayistin, bedeutende intellektuelle Stimme
  • Fanny Burney (Frances Burney) (1752–1840) – Einflussreiche Vorreiterin des englischen Romans
  • Lord Byron (George Gordon Byron) (1788–1824) – Berühmtester Dichter der Regency-Zeit
  • Samuel Taylor Coleridge (1772–1834) – Dichter und Philosoph, Begründer der englischen Romantik
  • Maria Edgeworth (1768–1849) – Pionierin des Gesellschafts- und Bildungsromans
  • John Keats (1795–1821) – Einer der bedeutendsten Dichter der englischen Romantik
  • Sir Walter Scott (1771–1832) – Begründer des historischen Romans
  • Mary Shelley (1797–1851) – Autorin von „Frankenstein“ (1818)
  • Percy Bysshe Shelley (1792–1822) – Neben Byron und Keats einer der bedeutendsten romantischen Dichter
  • William Wordsworth (1770–1850) – Begründer der englischen Romantik

Schauerromane

20.07. und 21.08.2025

Titelseiten der Originalausgaben von "Frankenstein" und "The Vampyre"

Beliebt bei den Damen waren die „gothic novels“ (Schauerromane). Das Genre entstand Mitte des 18. Jahrhunderts und erlangte Anfang des 19. Jahrhunderts seine größte Popularität. Hauptmotiv ist das Übersinnliche, Bedrohliche und Unheimliche. Die Kulisse bilden oft düstere Landschaften, verfallene Gemäuer, Verliese, Grüfte und Gewölbe. Wiederkehrende Handlungselemente sind die schöne, unschuldige Heldin, die vor ihrem bösen Peiniger gerettet werden muss, Flucht und Verfolgung, gruselerregenden Ereignissen, Erscheinungen und Träumen sowie die Begegnung mit dunklen, gefährlichen und unheimlichen Gestalten wie Untoten, Doppelgängern und mysteriösen Fremden.

 

Als erster Schauerroman gilt Horace Walpoles The Castle of Otranto (Das Schloss von Otranto, 1764). 

Zu den berühmtesten Schauerromanen zählen außerdem Ann Radcliffes The Romance of the Forest (Die Romantik des Waldes, 1791) und The Mysteries of Udolpho (Udolphos Geheimnisse, 1794), Matthew Gregory Lewis’ The Monk (Der Mönch, 1796), Lady Caroline Lambs Glenarvon (1816), Mary Shelleys Frankenstein or The Modern Prometheus (Frankenstein oder Der Moderne Prometheus, 1818) und John William Polidoris The Vampyre (Der Vampir, 1819), der den modernen Typus des hageren, blassen Vampirs schuf, den viele Jahrzehnte später Bram Stokers Dracula berühmt machte.

 

Als erster englischer Schauerroman mit einer lebenden Mumie gilt übrigens Jane Webb Loudons The Mummy! A Tale of the 22nd Century (Die Mumie! Oder eine Geschichte des 22. Jahrhunderts, 1827). Das Werk greift die während der Regency-Zeit im Zuge von Napoleons Ägyptenfeldzug entstandene Ägyptomanie auf (zur Ägyptomanie siehe Rubrik "Dies und Das", Blogpost "Ägyptomanie – ein Regency-Hype" vom 25.09.2024. 

Titelseite von "The mysteries of Udolpho", 1823.

Welche Schauerromane las Jane Austen?

Es gibt eine ganze Reihe an "gothic novels", die Jane Austen in ihren Büchern erwähnt:

In Emma empfiehlt Harriet Smith Mr. Martin, Ann Radcliffes The Romance of the Forest (1791) zu lesen, in dem eine junge Frau Zuflucht in einer alten Abtei findet. Außerdem liest Harriet Regina Maria Roche's The Children of the Abbey (1796) über zwei Waisenkinder, die in einem Konvent aufwachsen und durch ein gefälschtes Testament um ihr rechtmäßiges Erbe gebracht werden. 

 

In Northanger Abbey, das eine Parodie auf die Schauerromane ihrer Zeit darstellt, erwähnt Jane Austen zahlreiche weitere Schauerromane: 

  • Eliza Parsons – The Castle of Wolfenbach (1793)

Eine junge Frau flieht vor ihrem Onkel und findet Zuflucht in einem alten Schloss, wo sie auf düstere Familiengeheimnisse und scheinbare Geistererscheinungen stößt. 

  • Ann Radcliffe – The Mysteries of Udolpho (1794)

Die junge Emily St. Aubert gerät nach dem Tod ihrer Eltern in die Gewalt eines grausamen Vormunds und wird in das düstere Schloss Udolpho verschleppt, wo sie sich mit unheimlichen Erscheinungen, Intrigen und geheimen Rätseln auseinandersetzen muss. 

  • Lawrence Flammenberg – The Necromancer; or, The Tale of the Black Forest (1794)

Ein düsterer, verworrener Schauerroman aus Deutschland, in dem Geister, Zauberei, düstere Visionen und ein geheimnisvoller Nekromant das Geschehen beherrschen. 

  • Eliza Parsons – The Mysterious Warning (1796)

Ein deutscher Graf wird durch eine geheimnisvolle Warnung heimgesucht, die ihn in Schuld, Tragik und das Übernatürliche verstrickt. 

  • Carl Grosse – Horrid Mysteries (1796)

Ein bizarrer und gewaltsamer Roman über geheime Gesellschaften, politische Verschwörungen und satanische Kulte, mit vielen übernatürlichen und grotesken Elementen. 

  • Ann Radcliffe – The Italian; or, The Confessional of the Black Penitents (1797)

Ein dunkler Liebesroman voller Intrigen, Verschwörungen und verborgener Schuld, in dem ein grausamer Inquisitor den Geliebten einer jungen Frau verfolgt. 

  • Regina Maria Roche – Clermont (1798)

 Die Geschichte der jungen Madeline, die mit ihrem Vater zurückgezogen lebt, bis ihre Herkunft sie in die dunkle Welt von Adel, Intrigen und Verbrechen führt. 

  • Francis Lathom – The Midnight Bell (1798)

Ein junger Soldat kehrt heim und deckt nach und nach ein dunkles Familiengeheimnis auf, das mit Mord, Verrat und Wahnsinn zu tun hat – der titelgebende Glockenschlag symbolisiert das nahende Unheil. 

  • Eleanor Sleath – The Orphan of the Rhine (1798)

Julietta, eine verwaiste junge Frau, erlebt auf ihrer Flucht durch Europa zahlreiche Gefahren, Täuschungen und düstere Entdeckungen über ihre Herkunft. 

 

Welche Bücher las Jane Austen? 

23.05. und 24.06.2025

Titelseite des Buches Waverley (1816) von Sir Walter Scott.

Jane Austen erwähnt in ihren Briefen und Romanen eine ganze Reihe an Büchern – sei es namentlich oder durch Zitate oder Anspielungen. Daraus ergibt sich ein breit gefächertes Lesespektrum: Jane Austen las Swift, Defoe und Pope, männliche Romanciers  wie Fielding, zeitgenössische Schriftstellerinnen wie Maria Edgeworth und Ann Radcliffe, Gedichte von Milton und Byron, Theaterstücke von Shakespeare und vielen anderen Dramatikern, französische und deutsche Literatur (unter anderem von Johann Wolfgang von Goethe und August von Kotzebue) sowie Predigten, politische Geschichte und Reiseberichte.

 

Jane Austens Lieblingsautor war Sir Walter Scott, der zu den populärsten Autoren der Regency-Zeit zählte und mit seinem Roman Waverley (1814) den ersten britischen historischen Roman schuf. Jane Austens Bewunderung für Sir Walter Scott beruhte auf Gegenseitigkeit, auch wenn sie nie davon erfuhr: Er rezensierte anonym – wie es damals üblich war – mehrere ihrer Werke (die zu ihren Lebzeiten allesamt anonym erschienen) und notierte in seinem Tagebuch, dass er ihr Talent, die Verstrickungen, Gefühle und Charaktere des gewöhnlichen Lebens zu beschreiben, für das wunderbarste hielt, das ihm je begegnet sei.

 

Quelle: Gillian Dow, Katie Halsey, Jane Austen’s Reading: The Chawton Years. In: Persuasions. The Jane Austen Journal On-Line 30 (2010), 2 (Link zur Online-Ausgabe)

Titelseiten von "Narrative of the Events which have taken place in France" (1815) und "The The Female Quixote" (1752).

Eines von Jane Austens Lieblingsbüchern – laut übereinstimmenden überlieferten Berichten ihrer Familie – war Samuel Richardsons The History of Sir Charles Grandison, ein Briefroman über den tugendhaften und idealisierten Gentleman Sir Charles, der als Vorbild christlicher Männlichkeit und Ehrenhaftigkeit präsentiert wird.

 

Außerdem erwähnt Jane Austen in ihren Briefen an ihre Schwester Cassandra unter anderem folgende Werke, die sie gelesen hat:

1. Sydney Owenson (Lady Morgan), Woman; or, Ida of Athens
Eine junge Griechin namens Ida kämpft für Freiheit, Bildung und Frauenrechte – mit politischen und philosophischen Reflexionen über das antike und moderne Griechenland.

2. Eaton Stannard Barrett, The Heroine; or, Adventures of a Fair Romance Reader
Eine satirische Geschichte über eine junge Frau, die durch übermäßiges Lesen von Schauerromanen ein verzerrtes Weltbild entwickelt und sich selbst als Heldin in einem imaginären Abenteuer sieht – eine humorvolle Kritik an romantischer Schwärmerei und Jane Austens Inspiration für ihre eigene Heldin Catherine Morland in Northanger Abbey.

3. William Combe, The Tour of Doctor Syntax in Search of the Picturesque
 Ein komischer Versroman über einen Schulmeister namens Dr. Syntax, der auf der Suche nach dem "Malerischen" durchs Land reist – eine Parodie auf den damaligen Landschafts- und Reisetourismus.

4. Helen Maria Williams, A Narrative of the Events which have taken place in France with an Account of the Present State of Society and Public Opinion
Ein Augenzeugenbericht der Französischen Revolution, geschrieben von einer britischen Autorin, die in Frankreich lebte.

5. Charlotte Lennox, The Female Quixote or, the Adventures of Arabella
Eine komödiantische Erzählung über Arabella, eine junge Frau, die zu viele Ritterromane gelesen hat und ihre Umwelt nach deren Logik interpretiert – eine Parodie auf Cervantes' Don Quixote.

 

Wenn du Jane Austens Bücher gelesen hast, werden dir vielleicht einige Werke einfallen, die Jane Austen darin erwähnt – und daher offenbar ebenfalls gekannt – hat. Hier ein kleiner Auszug daraus:

·        Mansfield Park: Richard Brinsley Sheridan, The Rivals
Eine Gesellschaftskomödie voller Verwechslungen, romantischer Intrigen und witziger Dialoge, in der besonders die Figur der „Mrs. Malaprop“ durch absurde Wortverdrehungen berühmt wurde.

·        Persuasion: Lord Byron, The Giaour
Ein düsteres, fragmentarisches Vers-Epos über Rache, Leidenschaft und Schuld im orientalischen Setting – mit einem melancholischen Antihelden im Zentrum.

·        Emma: Regina Maria Roche, The Children of the Abbey
Ein Roman über zwei verwaiste Geschwister, die um ihr Erbe kämpfen, während sie sich durch Intrigen und romantische Prüfungen behaupten müssen – beliebt wegen seiner Mischung aus Sentimentalität und Abenteuer.

 

Natürlich darf an dieser Stelle Jane Austens Lieblingsautorin Frances Burney nicht fehlen, von der Jane Austen in ihren Briefen und Büchern unter anderem folgende Werke erwähnt:

·        Camilla
Camilla Tyrold und ihre Schwestern erleben Liebeswirren, Missverständnisse und gesellschaftliche Hindernisse.

·        Evelina
Eine junge, unerfahrene Frau wird in die Londoner Gesellschaft eingeführt und muss sich mit gesellschaftlichem Spott, zweifelhaften Verehrern und ihrer unklaren Herkunft auseinandersetzen.

·        The Wanderer; or, Female Difficulties
Eine geheimnisvolle junge Frau flieht während der Französischen Revolution nach England und wird dort mit zahlreichen sozialen Hürden konfrontiert.

 

Wie bereits im vorigen Newsletter erwähnt, zählte auch Sir Walter Scott zu Jane Austens Lieblingsautoren. Hier eine kleine Auswahl seiner Werke, die sie in ihren Briefen erwähnt:

·        The Antiquary
Ein junger Mann besucht einen exzentrischen Altertumsforscher an der schottischen Küste und gerät in eine Geschichte voller Familiengeheimnisse, romantischer Verwicklungen und historischer Anspielungen.

·        Marmion: a Tale of Flodden Field
Ein episches Gedicht über den englischen Ritter Marmion, der durch Intrigen und Verrat ins Unglück stürzt, während sich der Krieg zwischen England und Schottland zuspitzt – endet dramatisch mit der historischen Schlacht von Flodden (1513).

·        The Lady of the Lake
Ein romantisches Vers-Epos, das in den schottischen Highlands spielt und um die edle Ellen Douglas, Ritterkämpfe, politische Konflikte und nationale Identität kreist.

·        Waverley
Der junge englische Offizier Edward Waverley gerät während des Jakobitenaufstands von 1745 in einen Loyalitätskonflikt zwischen englischer Krone und schottischen Rebellen.

Inbesondere in "Northanger Abbey" erwähnt Jane Austen auußerdem zahlreiche Schauerromane - dazu gibt es weiter oben einen eigenen Blogbeitrag (August 2025)!

Die Bibliothek eines Gentlemans 

26.04.2025

Zeichnung der Bibliothek von Cassiobury Park, 1837.

Im Lauf des 18. Jahrhunderts wurde es Mode, dass ein Gentleman eine Bibliothek besaß, unabhängig davon, ob er las oder nicht. Wohlhabende Familien bauten sich über Generationen eine umfangreiche Privatbibliothek auf. Daher befand sich in den meisten Herrenhäusern während des Regency eine Bibliothek. Die Bücher, die ein Gentleman in seiner Bibliothek hatte, hingen stark von seinen eigenen Interessen sowie den Interessen seiner Vorfahren ab, sodass sich darin auch zahlreiche alte, über Generationen vererbte Bücher befanden.

 

Welche Bücher besaß ein Gentleman nun also typischerweise?

Den Grundbestand bildeten in der Regel die lateinischen und griechischen Klassiker im Original oder in Übersetzung. Die meisten Privatbibliotheken enthielten auch Predigtsammlungen und Nachschlagewerke wie Wörterbücher und Collins‘ oder Debretts Peerage of England. Andere Bücher hingen von den Interessen des Besitzers und seiner Vorfahren ab, z.B.:

 

  • Atlanten, Bildbände über griechische und römische Ruinen, Reiseberichte, Berichte von und über Entdecker wie Cook
  • Geschichte, Naturkunde (Astronomie, Botanik, Meteorologie ...), Philosophie, wissenschaftliche Veröffentlichungen der Royal Society
  • Medizin
  • Recht, Politik, politische Theorien
  • Poesie, Literatur
  • Verwaltung von Landgütern, Landwirtschaft, Agrarreformen, Pferdezucht

 

In meinem Buch "Ein Earl für Miss Alice" bekommt man einen Eindruck von der Bibliothek eines Gentlemans der Regency-Zeit, denn in einer der Szenen nimmt Alice das Bücherregal von Lord Hades in Augenschein – und entdeckt darin etliche für die damalige Zeit typische (und einige recht untypische) Bücher eines Gentlemans.

Bücher als Luxusgut

19.03.2025

Textausschnitt aus dem "Monthly Magazine" vom März 1816 mit neu erschienenen Büchern und deren Preisen

Der Herstellungsprozess von Büchern war sehr aufwändig (siehe unteren Blogbeitrag), sodass Bücher teuer waren.  Romane (die üblicherweise in drei Bänden herausgegeben wurden) kosteten etwa fünf bis sieben Shilling pro Band, also 15 bis 21 Shilling (20 Shilling = 1 Pfund).

Auf obigem Ausschnitt aus dem Monthly Magazine vom März 1816 werden zwei Romane beworben:
Love, Rashness, and Revenge, 2 Bände zu 10 Shilling 6 Pence 

Uncle Tweazy and his Quizzical Neighbours, 3 Bände zu 15 Shilling.

Wenn man bedenkt, dass einfache Dienstboten oft nur wenige Pfund im Jahr verdienten und höhere Dienstboten (z.B. Haushälterin, Butler) sowie Fabrikarbeiter kaum mehr als einige Dutzend Pfund, dann konnte ein dreibändiger Roman durchaus ein Wochen- bis Monatsgehalt ausmachen! Daher hatten örtliche Büchereien, in die man sich gegen eine geringe jährliche Gebühr einschreiben konnte, eine große Bedeutung.

Eine umfangreiche Privatbibliothek, wie Lord Hades sie in meinem Buch „Ein Earl für Miss Alice“ besitzt, stellte daher ein Vermögen dar und zeigte den Wohlstand vieler Generationen. 

 

P.S.: Falls Ihnen der oben genannte Titel „Love, Rashness, and Revenge“ irgendwie bekannt vorkommt – es ist eine jener Neuerscheinungen, die Catherine in meinem Band „Ein Viscount per Annonce“ aus der Bücherei von Belcot ausleiht! 

Buchproduktion im Regency

18.01. und 26.02.2025

Zeichnung eines Mannes beim Schöpfen von Büttenpapier

Papierproduktion 

Das Papier der Regency-Zeit war handgeschöpftes Hadernpapier (Büttenpapier) aus Textilfasern, gewonnen aus Lumpen, für deren Einsammeln Papiermühlen Lumpensammler bezahlten. In den Papiermühlen wurden die Lumpen über etliche Stunden in großen Behältern mit Wasser eingeweicht und mit einem Stampfwerk zermahlen. 

Die gereinigte Fasermasse wurde anschließend mit einem rechteckigen Schöpfsieb abgeschöpft. In einer Papierpresse wurde der Großteil des verbliebenen Wassers aus dem Papier gepresst. Anschließend wurden die noch feuchten Bögen zum Trocknen aufgehängt. 

 

Der gesamte Prozess war aufwändig und dauerte mehrere Tage. Je nach Qualität und Stärke des Papiers konnte dieses daher recht kostspielig sein. Szenen in Regency-Filmen und -Romanen, in denen eine Figur sich mit einem Brief abmüht und bei jedem misslungenen Versuch das Blatt zusammenknüllt und fortwirft, sind daher sehr unrealistisch.

Ebenso häufig und ebenso historisch falsch sind Szenen, in denen eine Figur einen Brief auf Pergament statt Papier schreibt.  Im Regency war Pergament, das teurer war als das ohnedies auch nicht gerade günstige Hadernpapier, längst „Schnee von gestern“ und wurde nur noch für spezielle Zwecke wie offizielle Regierungsdokumente, Urkunden und künstlerische Werke verwendet, nicht jedoch für Briefe und sonstige alltägliche Schreibarbeiten.


Satz und Buchdruck

Satz und Druck erfolgten in Druckereien. Jede Buchseite wurde händisch gesetzt, in einen Rahmen gespannt und fixiert. Je nach Seitengröße und Buchformat konnten vier bis sechzehn Buchseiten auf ein Blatt gedruckt werden. Sobald alle für das Bedrucken eines Blattes fertig gesetzten Rahmen in der Druckerpresse fixiert waren, wurde die Druckertinte aufgebracht und das Blatt bedruckt. 

Danach wurde das Papier entfernt und ein neues Blatt eingespannt und bedruckt. Dieser Vorgang wurde entsprechend der vorgesehenen Auflagenzahl wiederholt. Danach wurden die Rahmen gegen die der nächsten gesetzten Seiten ausgetauscht. Waren alle Blätter einseitig bedruckt, wiederholte sich der gesamte Vorgang für die Rückseite der Blätter. 

Vier Bilder, von denen je zwei dasselbe Motiv in unterschiedlicher Farbgebung zeigen. Metropolitan Museum of Art, New York.

Illustrationen

Die Illustrationen in einem Buch wurden separat von Künstlern hergestellt. Gedruckt wurde nur mit schwarzer Tinte, farbige Abbildungen mussten nachträglich händisch koloriert werden und machten das Buch teurer. Daher stellten Verlage nur wenige kolorierte Exemplare her. Wohlhabende Käufer ließen ihre Exemplare jedoch fallweise selbst kolorieren, daher waren die Bilder in jedem Exemplar anders gefärbt (siehe Abbildung). 

Moderne Illustrationstechnik: Der Holzstich

Während des Regency löste der Holzstich die älteren Illustrationstechniken des Holzschnitts und Kupferstichs zunehmend ab. 
 

Die Technik des Holzstichs wurde Ende des 18. Jahrhunderts von dem Graveur Thomas Bewick (1753-1828) entwickelt und hatte gegenüber den bislang verwendeten Holzschnitten und Kupferstichen mehrere Vorteile: Holzschnitte ermöglichten aufgrund ihres Herstellungsverfahrens keine feinen Linien und abgestuften Schattierungen. Kupferstiche ermöglichten dies zwar, waren in der Herstellung allerdings aufwändiger und teurer und erforderten im Gegensatz zum Holzschnitt ein anderes Druckverfahren als der Text. Sie mussten daher in einem zusätzlichen Arbeitsschritt auf separaten Seiten gedruckt und beim Binden dem Buchblock als Tafeln hinzugefügt werden. 

 

Holzstiche ermöglichten sowohl feine Linien und Schattierungen (wie die Kupferstiche) als auch den zeitgleichen Druck mit dem Text (wie die Holzschnitte) und vereinten daher die Vorteile von Holzschnitt und Kupferstich. Das von Thomas Bewick entwickelte Verfahren wurde zur meistverwendeten Illustrationstechnik im 19. Jahrhundert.

In meinem Buch "Kein Baron für Miss Louisa" entscheidet sich Nicholas dafür, sein Buch mit modernen Holzstichen illustrieren zu lassen, und wird dafür von seinem Vater liebevoll geneckt.

Bindung

Nach dem Druckvorgang wurde jeder Papierbogen so gefaltet, dass die darauf gedruckten Seiten in der richtigen Reihenfolge lagen, und händisch an einer Seite zusammengeheftet. Danach wurden die gehefteten Papierbögen in der richtigen Reihenfolge aufeinandergelegt und händisch zum so genannten Buchblock zusammengeheftet. 

Einband

Der Einband trug ebenfalls zu den Kosten bei. Bücher, die von Büchereien angekauft wurden, erhielten einen widerstandsfähigen Ledereinband. Exemplare, die an Buchhändler gingen, wurden von diesen je nach der Kaufkraft ihres Kundenstamms in Leder oder günstigeres Halbleder (Buchrücken aus Leder, Vorder- und Rückendeckel aus Karton) gebunden. Wohlhabende Personen ließen ihre Bücher nach eigenen Vorstellungen binden. Übrigens waren auch Frauen als Buchbinderinnen tätig! 

Bildnachweise

Die auf dieser Seite verwendeten Bilder stammen vom Metropolitan Museum of Art, dem Rijksmuseum Amsterdam, dem Yale Center for British Art, dem Internet Archive sowie Wikimedia Commons und befinden sich in der Public Domain.



Textquellen

Meine Recherchen stützen sich vorwiegend auf die folgenden Quellen. Je nach Thema ziehe ich fallweise auch weitere Literatur (wissenschaftliche Fachartikel, Nachschlagewerke etc.) heran.

 
Literatur:

  • Ian Mortimer, Im Rausch des Vergnügens. Eine Reise in das England von Jane Austen und Lord Byron (Verlag Piper, 2022)  
  • Jennifer Kloester, Georgette Heyer’s Regency World (Verlag Sourcebooks, 2010) 

 
Blogs:

sowie diverse Blogs von Regency-Autorinnen