Lost in Regency 5
In der glitzernden Welt der Londoner Gesellschaft kämpft eine junge Frau um ihr Glück, ihre Liebe und ihre Zukunft.
Einst ein umschwärmter Offizier und Beau der Londoner Gesellschaft, kehrt Captain Sir Matthew Ruthercombe nach einem militärischen Einsatz mit einem von Brandnarben entstellten Gesicht zurück. Voller Abscheu verlässt ihn seine Verlobte. Gemieden von den jungen Damen der Gesellschaft, findet Matthew sich nur schwer im stürmischen Treiben der Londoner Saison zurecht. Doch eine unerwartete Begegnung mit Eleanor, seiner Freundin aus Jugendtagen, ändert alles. Denn Ella steckt in Schwierigkeiten.
Die siebzehnjährige Eleanor Ashcroft soll auf ihrer ersten Saison einen geeigneten Ehemann finden – andernfalls muss sie den Mann heiraten, den ihre Mutter für sie ausgewählt hat. Doch keiner der jungen Gentlemen interessiert sich für das schüchterne, zierliche Mauerblümchen, nicht einmal Matthew, für den Eleanor heimlich seit langer Zeit schwärmt. Denn für ihn ist sie immer noch nur das kleine Mädchen von früher.
Wird es Eleanor rechtzeitig gelingen, Matthews Herz zu erobern und der drohenden Zwangsehe zu entgehen? Und wird Matthew doch noch erkennen, für wen sein Herz wahrhaftig schlägt?
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Erscheint im Frühjahr 2027
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PROLOG
April 1818
Lächelnd beobachtete die sechzehnjährige Eleanor Ashcroft die ausgelassene Gästeschar im Garten ihres Elternhauses. Soeben mimte Sir Matthew Ruthercombe mit verbundenen Augen die ‚Blinde Kuh‘ und versuchte, eine der jungen Damen oder einen der vorbeilaufenden Herren zu erhaschen.
Wie kam es nur, dass ein harmloses Kinderspiel, das Eleanor unzählige Male gespielt hatte, sich plötzlich völlig anders anfühlte? Hier, inmitten junger Damen und Herren, von denen die Etikette verlangte, dass sie sich gesittet benahmen und abseits des Tanzsaals jeglichen Körperkontakt vermieden, schienen die Berührungen, die im Spiel nicht nur erlaubt, sondern ein erforderlicher Bestandteil waren, ihre kindliche Unbefangenheit verloren zu haben, boten sie doch eine der wenigen gesellschaftlich akzeptierten Gelegenheiten, einander nahezukommen. Sehr nahe.
Eleanors Blick wanderte erneut zu Matthew. Mit seinen windzerzausten blonden Locken und dem schalkhaften Lächeln auf den Lippen sah er einfach umwerfend aus. Nicht, dass er dies nicht ohnehin stets tat.
Matthew hatte einen ganz besonderen Platz in Eleanors Herzen, auch wenn er in ihr nicht mehr sah als das Nachbarsmädchen. Er war ein Teil ihres Lebens, seitdem sie denken konnte. Obwohl er zehn Jahre älter war als sie, hatte er ihr nie das Gefühl gegeben, dass sie zu jung und dumm war, um sie ernst zu nehmen, oder zu scheu und unscheinbar, um sie überhaupt zu bemerken. Stets hatte er ein freundliches Wort für sie, oft einen Scherz auf den Lippen, der sie zum Lachen brachte, manchmal eine eigens für sie gepflückte Blume. Kein anderer Mann hatte ihr jemals eine Blume geschenkt. Bei der Vorstellung, ihm so nahe zu sein, dass er ihren Arm, ihre Schulter, ihr Haar berühren konnte, schlug Eleanors Herz unwillkürlich höher.
Sollte sie es wagen ...? Andere junge Damen würden sich die Gelegenheit, von einem schmucken Baronet und Offizier ‚gefangen‘ zu werden, gewiss nicht entgehen lassen. Aber die Kühnheit, sich absichtlich fangen zu lassen, besaß Eleanor nicht. Zu groß war die Angst, einer der Gäste – oder gar Matthew selbst – könnte ihr sorgsam gehütetes Geheimnis erraten.
Wenn sie nur nicht so schüchtern wäre! Nicht zum ersten Mal wünschte Eleanor sich etwas mehr Courage, etwas mehr Wagemut, so wie die Heldinnen in ihren geliebten Schauerromanen. Oh, sie wäre eine denkbar schlechte Heldin! Niemand würde über ein Mädchen wie sie ein Buch schreiben. Kleingewachsene, unscheinbare, scheue junge Damen waren nicht interessant genug, um Geschichten zu inspirieren. Sie waren auch nicht interessant genug, um die Aufmerksamkeit junger Gentlemen zu wecken, oder wenigstens eines bestimmten jungen Gentlemans.
Eine Hand legte sich auf ihren Arm. Eleanor zuckte zusammen und wandte sich um. Louisa. Ihre Schwester nahm sie an der Hand und zog sie entschlossen mit sich.
„Was tust du da, Louisa?“, flüsterte Eleanor verwirrt.
„Wirst du gleich sehen“, raunte Louisa zurück. Unmittelbar vor Matthew hielt sie inne, fasste Eleanor an den Schultern und schob sie vor sich – gerade so weit, dass Matthews ausgestreckte Hand Eleanor berührte.
Erschrocken sah Eleanor zu ihrer Schwester, doch Louisa lächelte sie beruhigend an. „Deine Chance, Schwesterherz“, flüsterte sie ihr ins Ohr und trat zurück, sodass Eleanor allein vor ihm stand.
Seine Finger ruhten sanft auf ihrem Arm, und da war der Duft seines Parfums nach herbem Zedernholz mit einem frischen Hauch von Bergamotte und Lavendel. Eleanors Puls beschleunigte sich. O Himmel, sie war ihm noch nie so nahe gewesen. Entschlossen bekämpfte sie den Drang, ihrer Nervosität nachzugeben und davonzulaufen. Courage, rief sie sich in Erinnerung. Wagemut. Sie atmete tief ein, straffte die Schultern und rührte sich nicht vom Fleck.
Matthew bewegte seine Hände leicht über ihre Arme und Schultern zu ihrem Gesicht. Eleanor hielt den Atem an. Sie sah, wie seine Mundwinkel zuckten, auch wenn er sich sichtlich bemühte, ein Schmunzeln zu unterdrücken. Natürlich wusste er längst, wer vor ihm stand. Sie war kleiner als die anderen und daher leicht zu erkennen. Aber offenbar wollte er sich und den anderen den Spaß nicht verderben und tat, als sei er ratlos.
„Kleiner als ich“, murmelte er, als würde er laut nachdenken. „Eine hohe Stirn ... kleine Nase ... weiche Lippen ...“ Seine Finger glitten über ihre Haut, eine flüchtige Berührung, und dennoch brachte sie ihr verräterisches Herz zum Klopfen.
Wie leicht wäre es für sie, ihn ebenfalls zu berühren ... aber das war bei diesem Spiel natürlich nicht vorgesehen. So verlockend der Gedanke auch war, mit ihren Fingern durch seine zerzausten Locken zu fahren, wusste Eleanor doch, dass sie dies niemals wagen würde, und das lag nicht nur daran, dass sie viel zu schüchtern dafür war – denn Mama würde sie ob ihres unangemessenen Verhaltens für den Rest des Tages in ihr Zimmer verbannen, und das würde Eleanor keinesfalls riskieren. Sie hatte nicht vor, die kostbare Zeit in Matthews Nähe mutwillig aufs Spiel zu setzen. Den überwiegenden Teil des Jahres verbrachte er bei seinem Regiment in London. Wahrscheinlich würden Monate vergehen, bis sie ihn wiedersah.
„Schmale Schultern“, fuhr Matthew in seiner Aufzählung fort, während seine Hände von ihrem Hals über ihre Schultern wanderten. Dann beugte er sich hinab und berührte den Stoff ihres Kleides. „Und zarter Musselin.“ Er richtete sich wieder auf. „Michael!“, rief er triumphierend.
Um Eleanor herum brach schallendes Gelächter aus, während ihr ältester Bruder Michael die Augen verdrehte. Matthews Cousin stieß Michael spielerisch in die Seite. „Ein Musselinkleid würde dir gewiss hervorragend stehen, alter Knabe.“
Matthew zog sich die Augenbinde vom Kopf und sah Eleanor grinsend an. „Eindeutig hübscher als Michael.“ Er zwinkerte ihr zu und nahm neckisch ihr Kinn zwischen Daumen und Zeigefinger. Ihr Herz setzte einen Schlag aus. „Verzeihst du mir den Spaß, Ella?“
Eleanor nickte und versuchte, sein Lächeln zu erwidern. Schließlich war sie kein Schulmädchen mehr, und die einfache Berührung eines Gentlemans sollte keine solch überwältigenden Gefühle in ihr hervorrufen. Sie sah zu ihm auf und fragte sich, was er gerade dachte. Ob er bemerkt hatte, dass sie erwachsen geworden war?
Bildnachweise
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Aufgefächertes Buch: Alicja Kaczynska