Gemälde einer Dame mit Regency-Kleid, Korallenkette und Taschenuhr, daneben Text "Kleidung & Accessoires"

Auf dieser Seite finden Sie Beiträge zu Kleidung und Accessoires, die von den Ladys und Gentlemen im England der Regency-Zeit getragen wurden.

Sie möchten regelmäßig neue Beiträge und exklusive Inhalte per Mail erhalten? Dann abonnieren Sie doch einfach meinen Newsletter!  

Die Trendfarben des Regency

29.05.2026

Cölinblaues Kleid und flohfarbene Pelisse aus "Repository of Arts" 1810 bzw. 1814.

Damals wie heute gab es von Saison zu Saison wechselnde Trendfarben mit kreativen Namen, befeuert von der aufkommenden Mode- und Textilindustrie. Man findet sie auf den Modetafeln und in den dazugehörigen Beschreibungstexten in den Modezeitschriften der damaligen Zeit, wie z.B. dem Repository of Arts und La Belle Assemblée. Dabei darf man allerdings nicht vergessen, dass im Regency lediglich Farben auf Pflanzen- und Mineralienbasis zur Verfügung standen und es noch keine Möglichkeit gab, Farben vor dem Ausbleichen zu schützen. Die Farbe eines neuen Kleidungsstücks verblasste daher unweigerlich mit der Zeit, umso mehr bei häufigem Waschen. (Aus demselben Grund geben die handkolorierten Modedrucke der damaligen Zeit nur einen ungefähren Eindruck von dem jeweiligen Farbton, wie er einst tatsächlich aussah.) Weiße und pastellfarbene Kleidung war zwar aufwändiger in der Pflege, konnte dafür aber kaum verblassen und sah daher länger wie neu aus. 

 

Blau war generell eine populäre Farbe im Regency. Der modischste Blauton war Himmelblau. Weitere beliebte Blautöne waren das dunkle Preussischblau und ein dunkles Blauviolett namens Chinablau, ein kräftiges Mittelblau namens Imperial- oder Königsblau (auch Saphirblau) sowie dessen hellere Schattierungen Azurblau und Arktisblau, Lavendeltöne wie Sachsenblau und das hellere Clarenceblau, das aus Kupfer und Kobalt gemischte Cölinblau, ein nach Prinzessin Louise Marie von Baden (der Ehefrau von  Zar Alexander I.) benanntes helles Türkisblau sowie ein kräftiges Hellblau mit der Bezeichnung Ägyptischblau.

 

Zu den modischsten Rottönen zählte ab den 1770ern bis Anfang des 19. Jahrhunderts „Flohfarben“ (puce), ein rotbrauner Farbton benannt nach mit Blut vollgesogenen Flöhen (iiiihhh ... 😉), den jedoch ab etwa 1810 andere Rottöne wie Granatapfelrot und „Morone“ (ein bräunliches Rot mit einem Hauch Purpur) in der Beliebtheit überholten. Kräftige Rottöne wie Kirsch- und Rubinrot, Klatschmohn und das leicht ins Purpur gehende Amaranth waren ebenso beliebt wie Rosa und dessen hellere Schattierungen Pink und „Blossom“ sowie Pfirsichfarben-Töne wie Topaz und das etwas hellere „Blush“.

Kräftiges Violett war im Regency eine seltene Farbe. Da Purpur, der aus der Purpurschnecke gewonnene violette Farbstoff, sehr teuer war, blieb er über Jahrhunderte ein Statussymbol reicher Adels- und Königsfamilien. Weniger teure Purpurtöne auf der Basis von Indigoblau wie Violett und der etwas rötlichere Farbton Maulbeere verblassten rasch zu gräulichen Lavendeltönen. Im Regency wählte man daher meist von vornherein helle Violetttöne wie Lavendel, Lila und Amethyst.

Pomonagrüne sowie bernsteinarbene Pelisse aus "Repository of Arts" 1811.

Der modischste Grünton im Regency war eindeutig Pomonagrün, ein kräftiges Hellgrün, benannt nach Pomona, der römischen Göttin der Baumfrüchte (lat. Pomum = Baumfrucht, Obstfrucht). Ähnlich populär waren die gelblicheren Töne Frühlingsgrün und Erbsengrün. Dunklere Grüntöne wie Smaragd und das leicht gelbliche Flaschengrün waren ebenfalls beliebt. Leider enthielten Smaragd und die auf ihm beruhenden Farbtöne wie „Spanische Fliege“ Arsenverbindungen und waren giftig. Fracks in dunklen Olivtönen waren bei Herren beliebt, während Damen eher helle Olivtöne wie Salbeigrün bevorzugten. Auch pastellgrüne Farbtöne wie Weidengrün und Seegrün wurden getragen, waren aber weniger populär.


Unter den Gelb- und Orangetönen war Jonquille (benannt nach der goldgelben Narzissenart) der modischste, schmeichelte jedoch ähnlich wie Zitronengelb nicht jedem Teint. Viele Damen bevorzugten daher etwas gedecktere helle Gelbtöne wie Strohgelb und Schlüsselblumen- bzw. Primelgelb. Auch die orangegelben Farbtöne „Russische Flamme“ und Bernstein sowie (insbesondere im Herbst) dessen etwas weniger kräftige Variante „Totes Blatt“ waren beliebt. Orange war ähnlich wie Jonquille und Zitronengelb für Damen mit sehr hellem Teint wenig schmeichelhaft und wurde daher vorwiegend für Dekorationen wie Bänder und Borten verwendet.

Ägyptischbraunes Opernkleid und Bleigraue Pelisse aus "Repository of Arts" 1809 bzw. 1811.

Beliebte Brauntöne waren die Beigetöne Fawn, Drab und Camelopard (Giraffe) sowie mittelbraune Farben wie Ägyptischbraun und dessen etwas dunklere und rötlichere Schattierung Ägyptische Erde. Ruinenstaub war ein ab den 1820ern beliebtes gräuliches Hellbraun.

Weiß war während des gesamten Regency durchgehend modisch und beliebt, insbesondere für Kleider junger Damen sowie für Herrenhemden und Halstücher. Damen bevorzugten daneben auch  Cremetöne wie Isabelle und Elfenbein. Obwohl Schwarz und Grau die Farben der Trauer und Halbtrauer waren, waren Grautöne wie Schiefergrau, Bleigrau, Perlgrau und Silbergrau zugleich auch modische Farben. Als in den 1820er Jahren die Londoner Luft durch den Kohlestaub der zahlreichen Fabriken weiße Kleidung innerhalb kürzester Zeit grau färbte, wurde „Londoner Rauch“ zu einer neuen Trendfarbe.

 

Nicht jede populäre Farbe eignete sich jedoch für Damen jeglichen Alters oder konnte für jedes beliebige Kleidungsstück verwendet werden! Es gab Farbtöne, die nur von jungen oder nur von älteren Damen getragen wurden oder nur für bestimmte Kleidungsstücke oder Accessoires wie Hüte, Retiküle oder Schultertücher als modisch galten. Ein Abendkleid in einer für Spencer oder Hüte beliebten Farbe – oder umgekehrt – konnte einen modischen Fauxpas darstellen.

 

Diese und noch viele weitere Farben der Regency-Zeit einschließlich vieler Farbbeispiele finden sich in dem ausführlichen englischen Blogartikel Regency Color Compendium von Beatrice Knight, aus dem alle obigen Informationen stammen.

Die Abbildungen in diesem Blogbeitrag stammen aus verschiedenen digitalisierten Ausgaben des "Repository of Arts".

Hofkleidung (court dress)

29.04.2026

Dame in Regency-Hofkleidung mit Straußenfedern im Haar und weiß-gelbem Kleid mit hoher Taille und Reifrock. 1808.

Wer bei Hofe präsentiert werden wollte, musste strenge und kostspielige Kleidungsvorschriften befolgen. 

Hofkleidung der Damen

Die Damenmode kombinierte die moderne hohe Taille mit altmodischen, weiten Reifröcken des vergangenen Jahrhunderts. Diese exaltierten Roben aus Seide, Satin oder Samt waren oft kunstvoll mit Gold, Silber oder künstlichen Blumen bestickt. Da die Regeln jährlich variierten, war das Fachwissen der Schneiderinnen entscheidend für die korrekte Gestaltung des Kleides, dessen Dekorationen und Accessoires wie Schleiern und Schleppen.

 

Junge Mädchen trugen eine Schleppe und weiße Straußenfedern im Haar, die oft in einer Tiara steckten. Ergänzt durch Diamantketten und -ohrringe sowie manchmal durch einen Fächer aus weißen Straußenfedern demonstrierte dieser Aufwand den Reichtum der Familie sowie deren Bereitschaft, viel Geld auszugeben, um ihrer Tochter die bestmögliche Partie zu sichern.

Herr in Regency-Hofkleidung mit hellblauem besticktem Frack, hellblauer Kniebundhose und weißen Strümpfen, mit Degen. 1805.

Hofkleidung der Herren

Auch die Herren präsentierten sich im altmodischen Stil des 18. Jahrhunderts. Ihr Hofkostüm bestand aus einem oft mit Gold-, Silber- oder bunten Seidengarnen reich bestickten Frack ohne Revers mit schräger Vorderkante und knielangen Schößen, einer oft ebenfalls bestickten Weste und Kniehosen, dazu Jabot, Manschetten, weiße Strümpfe und flache schwarze Schuhe mit eckigen Schnallen. Die Herren trugen zudem einen Zierdegen an der linken Seite und einen Hut unter dem Arm. Alternativ waren Offiziersuniformen als offizielle Hofkleidung anerkannt.

 

Quellen: Charles Lamb, A book explaining the ranks and dignities of British Society (1809) (frei verfügbar über HathiTrust) sowie Abbildungen und deren Beschreibungen in zeitgenössischen Modejournalen wie La Belle Assemblee und Journal des Dames et des Modes.


Dresscodes: Undress, Half dress, Full dress

29.03.2026

Dame und Herr in "Undress".

Es gab Vorschriften, zu welcher Tageszeit und zu welchen Anlässen welcher Kleidungsstil obligat war.

 

Die Kleidungsstile der Regency-Zeit lassen sich in drei Kategorien einteilen, die auch auf Abbildungen in Modezeitschriften der damaligen Zeit häufig zu finden sind: „undress“, „half dress“ und „full dress“.

Undress

„Undress“ bezeichnete die informelle Kleidung tagsüber. Bei den Damen waren dies Haus- und Straßenkleider, oft kombiniert mit einem den Ausschnitt bedeckenden Fichu oder einer Chemisette sowie dezenten Accessoires wie einem Schultertuch, einer Taschenuhr oder einer an einer Halskette getragenen Lupe. Herren in „undress“ trugen nur Hemd und Weste, ohne Frack und Halstuch, manchmal einen Hausmantel, dazu Hausschuhe – ein Kleidungsstil nur für zu Hause im engsten Familienkreis. 

Zwei Damen und Herr in Half dress.

Half dress

„Half dress“ war in der Damenkleidung alles, was eleganter war als Haus- und Straßenkleider, aber nicht so elegant wie Ballkleider. Darunter fielen z.B. Promenadenkleider und Abendkleider für Dinner und Theater, gegebenenfalls kombiniert mit dezentem Schmuck und Fächer. Der „half dress“ der Herren bestand aus Frack, Weste und Hemd, einem schlicht geknoteten Halstuch, Pantalons oder Kniebundhosen sowie Stiefeln oder flachen Schuhen, dazu Accessoires wie Taschenuhr, Spazierstock und Schnupftabakdose. Außer Haus trugen Damen wie Herren selbstverständlich zusätzlich Handschuhe und Hut, die Damen außerdem ein Retikül. 

Dame und Herr in "Undress".

Full dress

„Full dress“ bezeichnete die formelle Kleidung. Dazu zählten Ballkleider sowie elegante Abendkleider für die Oper und formelle Anlässe wie Empfänge, kombiniert mit elegantem Schmuck und Fächer. Der formelle Frack der Herren hatte einen etwas anderen Schnitt als der Frack der Tageskleidung, und das Halstuch war aufwändig in vielen Stofflagen/Rüschen/Krausen geknotet. Dazu trug man Kniebundhosen, Strümpfe und Abendschuhe mit Schnallen. Als Hut war der Zweispitz (chapeau bras) obligat, ab den 1820ern trug man zum full dress auch den Zylinder, der den Zweispitz damit ablöste. 

Kinderkleidung im Regency

28.02.2026

Zeichnung eines gepuckten Babys, das von einem Priester bei der Taufe im Arm gehalten wird. 1794.

Vor den 1770er Jahren unterschied sich die Kinder- von der Erwachsenenkleidung nur in der Größe, nicht im Design. Kleine Mädchen trugen wie Frauen ein Korsett. Dies änderte sich gegen Ende des 18. Jahrhunderts, als Korsetts für kleine Mädchen zunehmend in Kritik gerieten, sodass sich eigene Kinderkleidung entwickelte.  

Babys 

Babys wurden in den ersten Lebenswochen häufig eng in Leinenbinden gewickelt („gepuckt“), wodurch sie zu unbeweglichen kleinen „Mumien“ wurden (gegen Ende des 18. Jahrhunderts wuchs allerdings die Kritik am Pucken, und Ärzte rieten zunehmend davon ab). Nach dieser Phase trugen Babys ein Hemd, eine Stoffwindel und einen Flanellunterrock unter einem langen Kleidchenaus weißem Musselin, das bis zu den Füßen reichte. Dazu hatten sie ein Häubchen.

Gemälde eines Ehepaars, das ein Kind am Gängelband führt. 1790er.

Kleinkinder

Sobald ein Kind laufen lernte, wurde das Babykleidchen gegen ein hochtailliertes Kleid mit Puffärmeln getauscht.
Dazu waren rote Kinderschuhe aus weichem Marokkoleder modern.

An dem Kleid konnten so genannte „Gängelbänder” befestigt sein (siehe Bild). Diese langen Schnüre dienten dazu, Kleinkindern beim Laufenlernen zu helfen und sie vor dem Hinfallen, aber auch vor dem Weglaufen zu bewahren. Im Zuge der Aufklärung wurden Gängelbänder zunehmend kritisiert, unter anderem von Kant und Rousseau. Ab etwa 1800 kamen die Gängelbänder zunehmend außer Gebrauch. 

Kleidung für Knaben

Ein wichtiger Übergang für Knaben war der Wechsel von der geschlechtsneutralen Kleidung der Kleinkinder zur Erwachsenenkleidung, bestehend aus Hemd, Jacke und Hose. Dieser Übergang fand im 18. Jahrhundert typischerweise im Alter von sechs oder sieben Jahren statt, Anfang des 19. Jahrhunderts bereits früher. Knaben trugen häufig keine Kniebundhosen, sondern lange Hosen, die mehr Bewegungsfreiheit als Kniebundhosen ermöglichten. Letztere wurden meist erst ab dem Jugendalter getragen.

Kleidung für Mädchen

Mädchen trugen weiterhin hochtaillierte Kleider mit Puffärmeln mit einem Unterhemd und Petticoat darunter. Der tiefe Ausschnitt, die kleinen Puffärmel und die hohe, oft mit einer Schärpe verzierte Taille, die das Kinderkleid kennzeichneten, wurden von Mädchen bis ins junge Erwachsenenalter getragen und wurden gegen Ende des 18. Jahrhunderts auch bei Damen des Adels und der Gentry zum bevorzugten Kleidungsstil – so entstand die charakteristische Damenmode des Regency.

Weitere Accessoires des Gentlemans 

30.01.2026

Modepuppe mit Herrengewand und Spazierstock, ca. 1825-30.

Halstuch, Handschuhe, Hut und Manschettenknöpfe 

waren nicht die einzigen Accessoires, die ein Mann von Welt trug. Elegante Gentlemen besaßen darüber hinaus zahlreiche weitere modische Ergänzungen ihres Outfits.

 

Zu diesen zählte der Spazierstock, meist aus Holz wie Palisander, Ebenholz, Esche, Schlehe oder Hasel, oder aus Elfenbein. Der Knauf war schlicht oder kunstvoll geschnitzt, aus Elfenbein oder versilbert/vergoldet, oder aus Emaille oder Porzellan. 

Zwei Taschenuhren der Regency-Zeit.

Ein weiteres häufiges Accessoire war die Taschenuhr mit Uhrenkette, die man rechts unter der Weste hervorbaumeln ließ. An der Uhrenkette hingen allerlei Anhänger („fobs“) – zumindest der Schlüssel zum Aufziehen der Uhr, daneben oft ein Siegel, ein kleines Messer zum Zuschneiden der Federkiele von Schreibfedern und Anhänger wie goldgefasste Edelsteine, Talismane, Medaillons etc. 

Zwei Schnupftabakdosen, um 1805. Links silber mit Prägemuster, rechts mit farbigem Emailleportrait von Henry VIII..

Die meisten Gentlemen trugen darüber hinaus eine Schnupftabakdose aus Gold oder Silber, meist mit Metallarbeiten oder Emaille verziert, bei sich.

Ebenso modisch waren kleine Lupen, die man an einer Kette um den Hals trug oder am Frack befestigte. So konnte man kleine Dinge und Details oder auch Personen genauer betrachten. 

 

Außerdem trugen Gentlemen häufig mehrere Ringe, darunter ihren Siegelring aus einem Edel- oder Halbedelstein, in den ihr Familienwappen graviert war und der damit nicht nur einen praktischen Zweck erfüllte, sondern auch ein Statussymbol war. 

Überbekleidung des Gentlemans 

22.12.2025

Modezeichnung eines Gentlemans mit Herrenmantel mit mehreren Schultercapes und eines Gentlemans mit Umhang.

Die Herrenmäntel der Regency-Zeit, „Greatcoat“ genannt (links im Bild), waren aus schwerem Wollstoff, da Wolle selbst in nassem Zustand wärmt (im Gegensatz zu anderen Materialien wie Baumwolle oder Leinen). Der Wollstoff war zudem dicht gewebt, sodass das meiste Wasser abperlte, bevor es einziehen konnte.

Die meisten Herrenmäntel waren lang, weit geschnitten und mit Taschen versehen und hatten ein oder mehrere Schultercapes. Mehrere Capes zu tragen, war modisch. Die mehrlagigen Capes boten zudem zusätzliche Wärme und bei rauen Wetterbedingungen willkommene zusätzliche Schichten. Selbst anhaltender Regen brauchte Stunden, um durch mehrere Lagen plus den Mantel selbst zu sickern. Das war insbesondere für Postkutscher wichtig, da sie stundenlang bei kaltem Fahrtwind auf dem Kutschbock saßen und kein nasses Gewand gebrauchen konnten.

Umhänge (rechts im Bild) waren während des Regency ebenfalls noch in Mode, wurden jedoch weniger im Alltag, sondern vorwiegend auf Reisen oder zu formellen Anlässen getragen.

Manschettenknöpfe

23.11.2025

Ein Paar Manschettenknöpfe aus Metall mit eingeprägtem Muster, ca. 1740.

Die Kleidungsetikette ließ den Herren wesentlich weniger Spielraum für individuellen Geschmack und persönliche Vorlieben von Mustern und Farben als den Damen, sofern ein Gentleman nicht als alberner Modegeck gelten wollte. Dennoch gab es ein Accessoire, mit dem ein Gentleman seiner Individualität Ausdruck verleihen konnte, so unscheinbar es auf den ersten Blick auch wirken mochte: der Manschettenknopf.

 

Manschettenknöpfe wurden bis ins 18. Jahrhundert an den breiten Ärmelaufschlägen der Mäntel und Jacken getragen, doch diese Aufschläge kamen um 1800 aus der Mode. Stattdessen trug man die Manschettenknöpfe nun an den Manschetten der Hemden. Sie waren meist rund oder oval und aus Metall, edlere aus Halbedel- oder Edelsteinen (bzw. mit diesen besetzt), manche aus Emaille. Gentlemen hatten meist mehrere Paar Manschettenknöpfe, welche für den Alltag und welche für formelle Anlässe. 

 

Die Motive waren vielfältig: z.B. Sport (Fuchsjagd, Pferderennen, Boxen, Fechten, ...), persönliche Vorlieben (z.B. Spielkarten), Porträts berühmter historischer oder zeitgenössischer Personen oder das Familienwappen. Bei Offizieren konnten berühmte Feldherren (wie Nelson oder Wellington) oder die Insignien ihres Regiments abgebildet sein. Für einen aufmerksamen Beobachter konnten Manschettenknöpfe daher sehr aufschlussreich sein. (Erinnerst du dich daran, wie Clare beim Maskenball in meinem Buch Kein Baron für Miss Louisa den verkleideten Nicholas an seinem Familienwappen auf den Manschettenknöpfen erkennt?)

 

Ausführliche Informationen über die Geschichte der Manschettenknöpfe findest du in diesem englischen Beitrag in Kathryn Kanes Blog The Regency Redingote

Halstuch, Handschuhe & Hut 

27.10.2025

Weißes Halstuch und Kastorhut eines Regency-Gentlemans

Halstücher waren aus Baumwolle oder Leinen, stets gestärkt (sonst hätten sie sich nicht kunstvoll knoten lassen) und bei Adeligen weiß, in der Arbeiterklasse und im Sportbereich sowie bei Dandys auch farbig. Es gab zahlreiche verschiedene Arten, ein Halstuch zu knoten. Manche besonders modebewussten Gentlemen entwickelten sogar ihren eigenen Knoten. 

 

Außer Haus trugen Gentlemen (ebenso wie Damen) einen Hut. Im Regency wurde der Dreispitz vom hohen Kastorhut (auch: Biberhut) mit geschwungener Krempe abgelöst, aus dem sich der niedrigere Zylinder mit weniger geschwungener Krempe entwickelte. 

Handschuhe waren meist aus Hirsch-/Wildleder und weiß, beige oder braun, in Trauer schwarz. Modegecken trugen manchmal farbige Handschuhe. 

Herrenschuhe 

20.09.2025

Herren-Abendschuhe und Herren-Stiefel, 1809.

Tagsüber trugen Gentlemen außer Haus üblicherweise Reitstiefel aus schwarzem Leder (so genannte „Hessian boots“, siehe Bild). Manche hatten Tasseln oder einen braunen Umschlag, manche gingen bis zum Knie und manche waren etwas niedriger. Die Stiefel wurden vom Kammerdiener des Gentlemans mit Schuhschwärze („blacking“), einer Mischung aus Ruß und Öl oder Fett, auf Hochglanz poliert. Gepflegte, glänzende schwarze Stiefel waren ein wichtiger Bestandteil der Kleidung eines Gentlemans. Sie signalisierten nicht nur, dass sich ein Gentleman maßgeschneiderte Reitstiefel leisten konnte, sondern auch einen Kammerdiener für deren gewissenhafte und aufwändige Pflege.

 

Bei Abendveranstaltungen wie Bällen oder Dinnerpartys trugen Männer keine Stiefel, sondern flache, meist schwarze Abendschuhe („pumps“, siehe Bild), manchmal mit Schnallen wie in der Renaissance. Auch zu ihren Uniformen trugen Offiziere auf Bällen meist Abendschuhe statt ihrer Stiefel, da Stiefel für abendliche Events als unpassend galten und sich Stiefel darüber hinaus nicht zum Tanzen eigneten. 

 

Einer der berühmtesten Schuh- und Stiefelmacher der Regency-Zeit war George Hoby in London Ecke St James’s Street/Piccadilly. 

Beinkleider des Regency-Gentlemans 

21.08.2025

Drei Abbildungen, die eine Kniebundhose, Pantalons und eine Hose zeigen.

Die Kniebundhose (knee breeches) war bis Anfang des 19. Jahrhunderts die Männerhose schlechthin. Sie schloss mit einem Bund unterhalb des Knies ab und war aus Wolle oder Wildleder, für Abendkleidung aus Seide. Dazu trug man weiße oder schwarze Stümpfe und tagsüber Reitstiefel, abends Abendschuhe. 

 

Ab 1800 wurde sie langsam von knöchellangen, engen Stoffhosen (Pantalons) abgelöst. Ab den 1820ern kamen Kniebundhosen im Alltag ganz aus der Mode und wurden nur noch zur Abendmode sowie von Lakaien getragen. 

 

Pantalons (pantaloons) waren sehr enganliegend, wurden manchmal am Unterschenkel bis zu den Knöcheln geknöpft oder hatten einen Fußsteg, um einen straffen Sitz zu gewährleisten. Sie waren meist von heller Farbe und wurden oft mit Reitstiefeln getragen.

 

Ebenfalls ab 1810 wurden Hosen (trousers) – ursprünglich eine Kleidung der Matrosen und Arbeiter – modisch. Im Gegensatz zu Pantalons waren sie weit geschnitten. 

 

Ab den 1840ern hatten Hosen die Pantalons vollständig abgelöst, ab den 1850ern auch die Kniebundhosen in der Abendkleidung.

Maßgeschneidert – Der Frack 

 20.07.2025

Ein Modebild und ein Museumsmodell, die zwei unterschiedliche Frackformen zeigen

Der Frack – eine taillenkurze Herrenjacke mit Schößen – war die typische Herrenjacke der Regency-Zeit. Er entwickelte sich Ende des 18. Jahrhunderts aus den damaligen Reitjacken, die hinten lang, vorne jedoch für mehr Bequemlichkeit beim Reiten kürzer geschnitten waren. Ursprünglich vorne rund ausgeschnitten, setzte sich ab ca. 1810 der gerade Schnitt mit schräg nach hinten verlaufenden Kanten bei der Tageskleidung durch. Lediglich der formelle Frack der Abendkleidung behielt den runden Schnitt bei. 

 

Der Frack konnte ein- oder zweireihig sein und war meist aus Wollstoff in dunklen Farbtönen. Die Knöpfe waren immer mit Stoff überzogen (keine Metall-, Perlmutt- oder Hornknöpfe), außer bei dunkelblauen Jacken, da waren sie golden. Mit schwarzem Samt besetzte Jackenkrägen und Armaufschläge wurden im Lauf des Regency immer häufiger verwendet. In den 1820ern waren Jacken mit Samtkragen bereits häufiger als ohne. Taschenklappen bei Jacken und Mänteln waren Attrappen, es gab aber oft eine echte Innentasche auf Taillenhöhe. 

 

John Weston und George Stultz waren die berühmtesten Londoner Herrenschneider der Regency-Zeit. Einer ihrer berühmtesten Kunden war der Dandy Beau Brummell. Weston war der teuerste Schneider Londons und arbeitete auch für den Prinzregenten. 

Exkurs: Trauer- und Erinnerungsschmuck

 24.06.2025

Gedenkringe 

Bis gegen Ende des 18. Jahrhunderts war es üblich, den trauernden Verwandten, Freunden und Bekannten des Verstorbenen eigens zu diesem Zweck angefertigte Ringe mit Motiven von Totenschädel, Gebeinen oder Urnen oder einfach nur einem eingravierten Text wie „Remember me“ zu schenken. Die Tradition der Gedenkringe verschwand im 19. Jahrhundert zunehmend.

 

Trauerschmuck

Während der Trauerzeit verzichteten die Damen auf ihren glänzenden, oft mit farbigen Juwelen versehenen Schmuck. Während der tiefen Trauer trugen sie mattschwarzen Schmuck aus Gagat (siehe unten Rubrik „Wort des Monats“), Onyx, schwarzem Emaille oder Glas. In der Phase der Halbtrauer hatten sie eine größere Auswahl an Schmuckstücken.

Medaillon mit Porträt des Verstorbenen auf der Vorder- und einem Erinnerungsbild auf der Rückseite (ca. 1790).

Erinnerungsschmuck

Häufig wurden Ringe oder Broschen als Erinnerungsschmuck gestaltet. Einerseits konnten dies speziell zu diesem Zweck gefertigte Schmuckstücke mit beispielsweise einem Miniaturporträt der oder des Verstorbenen oder einer Haarlocke sein (Trauerschmuck mit dem Haar der oder des Verstorbenen war seit dem 16. Jahrhundert sehr beliebt, da es ein sehr intimes Erinnerungsstück war). 

 

Andererseits konnte man ein Schmuckstück, das die verstorbene Person zu Lebzeiten getragen hatte, umarbeiten und beispielsweise den Namen und das Todesdatum eingravieren lassen, um dadurch ein persönliches Erinnerungsstück an die verstorbene Person zu behalten. 


Exkurs: Trauerkleidung

 26.04. und 23.05.2025

Trauerkleid aus schwarzer Seide, ca. 1820

Tiefe Trauer

Gentlemen trugen einen schwarzen Anzug, eine schwarze Krepp-Armbinde, ein schwarzes oder weißes Hemd, ein schwarz umrandetes Taschentuch oder ein schwarzes Detail am Hut.

 

Für Damen bestand die Trauerkleidung aus schwarzem Bombasin (Mischgewebe aus Wolle und Seide) oder schwarzem Kreppstoff. Dazu trugen sie schwarze Accessoires wie Schultertuch, Handschuhe, Fächer und Hut sowie matte Schuhe. Schimmernde Stoffe wie Samt oder Seide oder glänzende Schuhe waren verpönt.

 

Nur die Wohlhabenden konnten sich speziell angefertigte, modische Trauerkleidung leisten. Die meisten Menschen fertigten ihre Trauerkleidung aus ihrer vorhandenen Garderobe an, indem sie vorhandene Hüte mit schwarzem Krepp überzogen und alte Kleider färbten. Jane Austen berichtet in einem Brief von 1808, dass ihre Mutter eine Pelisse auseinandergenommen habe, um sie anlässlich eines Todesfalls in der Familie schwarz zu färben.

 

Arme Leute besaßen oft kaum mehr als ein Gewand und hatten kein Geld für schwarzen Krepp, um einen Hut umzugestalten. Sie konnten sich höchstens eine schwarze Armbinde leisten. 

Dame in "Slight mourning" mit schwarzem Kleid, weißen Spitzen am Halsausschnitt, weißen Handschuhen, graublauem Schal.

Halbtrauer

Nach der Phase der tiefen Trauer folgte die Halbtrauer, in der Kleider in gedeckten Farben wie Grau, Braun, Violett oder Lavendel erlaubt waren. Auch weiße Details, etwa Spitzen an Handgelenken oder am Halsausschnitt, konnten getragen werden. Diese Farben sollten den Übergang zu den helleren Farben der normalen Kleidung erleichtern. In manchen Familien, in denen Todesfälle häufig vorkamen, konnte es jedoch Jahre dauern, bis man die Trauerkleidung vollständig ablegte.

 

Zwischen der tiefen Trauer und der Halbtrauer gab es gelegentlich noch eine Übergangsphase, genannt Slight Mourning. Hier waren schwarze Stoffe weiterhin Pflicht, durften jedoch einen leichten Glanz haben, und weiße Handschuhe sowie dezente weiße Verzierungen waren erlaubt. Auf dem Bild trägt die Dame in Slight Mourning ein schwarzes Kleid mit weißen Spitzen am Ausschnitt, weiße Handschuhe, einen graublauen Schal und graublaue Schuhe. Auch das Kind trägt Slight Mourning: ein schwarzes Kleid mit weißer Spitze am Ausschnitt, ein weißes Häubchen und graublaue Schuhe.

Gestreift, kariert und kunterbunt – die Weste 

19.03.2025

Zwei gemusterte Herrenwesten der Regency-Zeit

Über dem Hemd trugen Gentlemen eine meist ein-, seltener zweireihige, taillenlange Weste mit geradem oder leicht spitz zulaufendem Saum (der vorne in zwei Spitzen endende Saum kam erst in den 1820ern auf). Sie war das einzige Kleidungstück des Herrn, das gemustert und bunt sein konnte, und oft aus hochwertigen Materialien. Die Knöpfe waren üblicherweise mit demselben Stoff überzogen. 

 

Die Rückseite der Westen war in der Regel aus einfachem Leinen, da ein Gentleman niemals seinen Frack auszog und es daher keine Rolle spielte, woraus die Rückseite gemacht war.

Das Herrenhemd 

27.02.2025

Herrenhemd, Anfang 19. Jh. Metropolitan Museum of Art, New York.

Hemden waren aus weißem Musselin, Baumwolle oder Leinen, etwa oberschenkel- bis knielang und hatten lange, weite Ärmel mit Manschetten. Hemden für Abendkleidung konnten zusätzlich mit Rüschen versehen sein. Männer trugen immer eine Jacke darüber, auch im Haus, da Hemden wie die Chemisen der Damen als Unterwäsche galten. Ein Gentleman hätte sich daher niemals nur in seinem Hemd blicken lassen.

 

Ein häufiger Fehler in Regency-Büchern und -Filmen sind durchgeknöpfte Hemden. Im Regency hatten Hemden jedoch lediglich einen Schlitz vom Halsausschnitt bis zur Brustmitte, der zugeknöpft wurde, denn Knöpfe waren teuer. Erst, als Knöpfe ab der Mitte des 19. Jahrhunderts massenhaft und billig produziert werden konnten, setzten sich die durchgehend geknöpften Hemden durch.

 

Der Kragen war entweder ein separates Kleidungsstück oder am Hemd angenäht. Er war immer gestärkt und ragte in die Höhe. Um den Kragen herum wurde das ebenfalls gestärkte Halstuch geknotet.

Schmuck der Regency-Dame 

18.01.2025

Abbildungen aus Modezeitschriften und Gemälden der Regency-Zeit von Damen mit Schmuck.

Materialien

Schmuck- und Edelsteine wie Granat, Diamanten, Smaragde, Topas, Türkise, Rubine, Saphire und Amethyst waren beliebt, aber auch Koralle, Elfenbein und Perlen. 

Diamantimitat: Strass

Georg Friedrich Strass erfand um 1775 eine Diamantimitation, indem er die Unterseite des geschliffenen Glases mit Metallstaub bedeckte. Damit konnten kostengünstige Kopien der echten, wertvollen Schmuckstücke angefertigt werden.

Schmuckstücke

Im Regency trugen Damen dezenten Schmuck, insbesondere junge Mädchen. Im Alltag zählten dazu Halsketten mit Kreuz, Korallenketten und einfache Goldketten. Schmucksets bestanden aus einer Haarspange (z.B. Haarkamm) und/oder einem Diadem (Tiara), Ohrringen, Kette, Armkette/-reif, Ring und Brosche. Kropfbänder waren v.a. zwischen 1770 und 1790 populär. Auch Familienschmuck wurde geschätzt und getragen.

Ebenfalls beliebt – sowohl bei Frauen als auch Männern – waren Augenminiaturen („Lover's Eye“), Schmuckstücke, die ein Auge oder Augenpaar der oder des Geliebten zeigten. Es war zugleich anonym und intim und ein beliebtes Geschenk unter Liebenden.

Schmucktrends

Der letzte Schrei in England und Frankreich während Napoleons Regierungszeit war Schmuck im neoklassischen Stil, gefördert durch die Ausgrabungen in Pompeji während der französischen Herrschaft in Italien von 1805 bis 1814, die immer mehr römische Häuser und Fundgegenstände hervorbrachten.

Die in der Antike beliebten Kameen (reliefförmig aus einem meist zweifärbigen Schmuckstein herausgeschnittene Motive) erlebten dadurch eine neue Blütezeit. Sie konnten – meist in Form von Medaillons – in Haarspangen, Diademen, Ketten, Ohrringen, Broschen oder als Verzierung des Taillenbandes vorkommen. 

 

Fächer, Taschentücher und weitere Damen-Accessoires 

 28.12.2024

Brisé-Fächer aus Elfenbein, 1800-1810

Fächer

Die Streben waren aus Holz, Perlmutt, Knochen, Schildpatt oder Elfenbein, bezogen mit  Seide, Spitze, bemaltem Stoff oder Leder, geschmückt mit kleinen Spiegeln, Perlen, Edelsteinen, Miniaturen, Federn etc. Das Elfenbein war manchmal durchbrochen, sodass der Fächer wie aus Spitze gemacht aussah, oder bemalt. 
 

Taschenuhr

Nicht nur Männer verwendeten Taschenuhren als Accessoire, sondern auch Frauen. Eine Taschenuhr konnte zum Beispiel ein Geschenk oder ein Erbstück sein. Damen trugen ihre Taschenuhr meist an einer Kette oder einem Band um den Hals oder an ihrem Taillenband.

Lupe und Lorgnette

Diese Sehhilfen waren auch für Nicht-Fehlsichtige ein Modeaccessoire und in diesem Fall oft mit normalem Glas statt einem Vergrößerungsglas bzw. Korrekturlinsen versehen. Zu diesen und weiteren Sehhilfen siehe mein Blogbeitrag "Sehbehelfe" vom Juli 2023 in der Rubrik "Dies & Das".

Taschentuch

Taschentücher waren meist aus weißer Baumwolle, Musselin oder Leinen, seltener aus Seide, da diese schlechter zu reinigen war. Eine der Freizeitbeschäftigungen von Damen war das Besticken von Taschentüchern, daher waren die meisten Taschentücher mit Stickereien, oft auch mit Initialen verziert. 

Münzbörse

Münzbörsen waren oft Netze, die von den Damen aus Garn selbstgeknüpft wurden. Zur Verzierung verwendete man Metallfäden, Glasperlen und Metallperlen. Einfache Börsen wurden mit einem Zugband verschlossen, aufwändigere Börsen mit einem Metallrahmen, der Scharniere und einen Hakenverschluss besaß und mit einem Druckknopf geöffnet wurde.

Chatelaine

Eine Chatelaine war ursprünglich ein Accessoire mit zahlreichen Ketten, an denen die Dame des Hauses nützliche Dinge wie Schlüssel befestigte und an einer Kette um ihre Taille trug. Im Regency hatten Haushälterinnen oft eine Chatelaine. Damen verwendeten Chatelaines als modisches Accessoire und befestigten daran Anhänger wie Taschenuhr, Uhrschlüssel, Münzbörse, Vinaigrette, einen kleinen Siegelstempel, Etuis mit Näh- oder Schreibutensilien, Ziergegenstände etc. 

Accessoires für jedes Wetter 

 25.11.2024

Zeichnung einer Frau mit Regenschirm und Patten. " Wet Under Foot" by Thomas Rowlandson, 1812.

Außer Haus trugen Frauen und Männer Kopfbedeckungen, die einen gewissen Schutz vor Regen, Wind und Sonne boten. Zusätzlich verwendeten Damen im Sommer Sonnenschirme, um ihren makellosen Teint zu bewahren und vor Sommersprossen und Bräune zu schützen. 

Geölte Schirme wurden als Regenschirme verwendet, zunächst allerdings nur von Damen. Obwohl Regenschirme auf dem Kontinent auch von Männern verwendet wurden, galten sie in England bis etwa 1800 als feminin und für Gentlemen ungeeignet. Der berühmte Dandy Beau Brummel war der Meinung, kein Gentleman solle einen Regenschirm verwenden, und riet bei Regenwetter stattdessen dazu, eine Sänfte zu mieten. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts setzte sich die Verwendung von Regenschirmen aus praktischen Gründen letztendlich aber auch langsam bei den Herren durch.

Regenkleidung in dem Sinne gab es im Regency nicht. Landarbeiter, Fischer und Seeleute konnten ihre Überbekleidung mit Öl oder Wachs imprägnieren und sich damit gegen Wind und Regen schützen. Modisch war derartige Kleidung natürlich nicht und wurde daher von Damen und Gentlemen nicht getragen.  


Zum Schutz gegen winterliche Kälte standen den Damen neben warmen Pelisses, pelzgefütterten Umhängen mit Kapuzen, Schultertüchern und Pelzstolas (siehe unten Blogbeitrag zur Überbekleidung vom November 2023) auch Muffs aus Pelz (Hermelin, Zobel, Seehundfell), dickem Wollstoff oder gefütterter Seide zur Verfügung, wenn die Handschuhe nicht reichten, um die Hände warmzuhalten. Muffs konnten oft sehr groß sein. 

Riechsalz & Vinaigrettes 

 27.08. & 26.10.2024

Zeichnung einer Frau, die sich ein Riechfläschchen an die Nase hält. Thomas Rowlandson, 1787.

Riechsalz bestand aus Ammoniumcarbonat (einem ammoniakhaltigen Salz, das meist aus Hirschhornsalz hergestellt wurde) und war in Apotheken erhältlich. Oft wurden ätherische Öle wie Lavendel, Zitrone oder Rosmarin hinzugefügt, um den Geruch zu verbessern. Aufbewahrt wurde Riechsalz in so genannten Riechfläschchen.

 

Riechsalz wurde im Regency nicht dazu verwendet, um ohnmächtige Damen wiederzubeleben, denn Ohnmachtsanfälle waren im Regency kein weit verbreitetes Phänomen. Das kam erst mit der viktorianischen Zeit, verursacht durch die sehr enge Schnürung der Korsetts, die das Atmen erschwerte. Im Regency wurde Riechsalz vor allem verwendet, um einer sensiblen Dame, deren Nerven durch z.B. eine aufregende oder schlechte Nachricht gelitten hatten, dabei zu helfen, das Unangenehme zu vertreiben, sich zu beruhigen und wieder zu konzentrieren.

 

Darüber hinaus bot Riechsalz Linderung bei zahlreichen Beschwerden wie Schwindel, Nervosität, Übelkeit und Kopfschmerzen. Die starken Dämpfe sollten die Sinne anregen und den Kreislauf stimulieren. Aus diesem Grund war Riechsalz kein reines Damen-Accessoire, auch Männer trugen es häufig bei sich. 

Geöffnete Vinaigrette-Dose mit sichtbarem Innengitter, vergoldet. 1807.

Neben Riechsalz konnten auch aromatisierte Essige in Apotheken gekauft werden. Sie dienten in erster Linie dazu, unangenehme Gerüche zu vertreiben, und wurden in kleinen Metalldosen, so genannten Vinaigrettes, aufbewahrt. Damen, die in ihrem Haus über einen Destillierraum verfügten, in dem Essenzen und Öle aus Kräutern und Blüten produziert werden konnten, stellten manchmal ihre eigene bevorzugte Mischung her. 

 

Vinaigrettes konnten quadratisch, rechteckig, rund oder oval sein, es gab aber auch kunstvolle Formen wie kleine Herzen oder Fische, die hübsch genug waren, um sie als Anhänger an Halsketten oder Armbändern tragen zu können. Sie enthielten ein aufklappbares Gitter und darunter einen kleinen Schwamm, der in aromatisierten Essig getränkt war (erst in der viktorianischen Zeit wurde es üblich, stattdessen Riechsalz einzufüllen). Klappte man den Deckel der Vinaigrette auf, drang durch das Gitter hindurch der Geruch. 

 

Ähnlich wie Schnupftabakdosen konnten Vinaigrettes kunstvoll graviert oder bunt emailliert werden, wurden oft als Souvenirs für Touristen oder für bestimmte feierliche Anlässe hergestellt und mit entsprechenden Motiven dekoriert und waren beliebte Geschenke. 

Exkurs: Hochzeitskleidung im Regency

25.09.2024

Regency-Hochzeitskleid mit Schleppe aus cremefarbener Seide mit hoher Taille und aufgesetzten Stoffblumen am Saum, 1812.

Die Braut

Das Hochzeitskleid musste nicht unbedingt weiß sein, es war neben Blau und Silber aber dennoch eine beliebte Farbe für die Hochzeit. Oft wurde einfach ein besseres Kleid bzw. Sonntags-/Kirchenkleid getragen. Selten – wenn, dann in reichen Familien, also vor allem im Adel – wurde speziell für die Hochzeit ein Kleid hergestellt, das aber nach der Hochzeit ebenfalls noch getragen wurde. Daher folgte das Kleid in Stil und Schnitt in der Regel einfach der Mode der Zeit. Sehr beliebt bei wohlhabenden Familien war Seidensatin als Material, besonders weißer Satin. 

 

Dazu trug die Braut lange Handschuhe, weiße Slipper, Seidenstrümpfe, einfachen Schmuck sowie einen Blumenstrauß, der aus Gewächshaus-, Wiesen- oder Gartenblumen bestand, im Winter alternativ aus getrockneten Kräutern. In der kalten Jahreszeit trug die Braut außerdem einen passenden Spenzer oder ein Schultertuch. 

 

Auf dem Kopf trugen Frauen meist die übliche Kopfbedeckung, die sie außer Haus immer trugen und die sie in der Kirche aufbehielten. Es konnte aber auch eine andere Art der Kopfbedeckung sein, z.B. ein einfacher Turban oder ein Blumen- oder Juwelenhaarteil. Daran konnte ein Schleier befestigt sein, der über den Rücken herabhing (nicht über das Gesicht).

Zeichnung eines Gentlemans mit braunem Frack, hellen Kniebundhosen und Strümpfen, schwarzen Spangenschuhen, 1809.

Der Bräutigam

Männer trugen die übliche formelle Kleidung: ein weißes Hemd aus Leinen oder Musselin mit weißem Halstuch, darüber eine Weste und einen meist dunklen Frack, schwarze oder dunkle Kniebundhosen (hellere waren auch möglich) oder Pantalons, Seidenstrümpfe und schwarze Spangenschuhe (keine Stiefel), dazu den Zweispitz (ab den 1820ern stattdessen den Zylinder). Auf dem Bild hält der Gentleman seinen Zweispitz in seiner linken Hand. Offiziere trugen ihre Uniform.

Das Retikül

28.08.2024

Besticktes Retikül, 1799

Da die Damenkleider keine eingenähten Taschen hatten, trugen junge Damen ihre notwendigen Kleinigkeiten in einem Retikül bei sich. Dabei handelte es sich um einen Beutel, der mit einem Zugband geschlossen und an diesem um das Handgelenk getragen wurde. 

 

Das Retikül war oft mit Stickereien oder Perlen verziert und aus einem Stoff gefertigt, der zu einem bestimmten Gewand passte, sodass eine Dame mehrere Retiküle besaß. Die Damen bestickten bzw. verzierten ihre Retiküle oft selbst.

 

Doch was trug eine Regency-Dame in ihrem Retikül eigentlich so alles bei sich? Meist waren dies:

 

-    Münzen bzw. eine Münzbörse

-    Riechsalz (siehe Blogbeitrag oben vom 27.8.2024)

-    Taschentuch

-    Fächer (sofern klein genug, um ins Retikül zu passen)

 

Hinzu kommen konnte noch:

 

-    Glasphiole bzw. Flakon mit Parfum

-    Süßigkeiten

-    Kosmetikdöschen mit Spiegel, Rouge, Lippenfarbe, Pinsel 

-    Taschenkalender oder Almanach (extra klein und speziell gemacht, um in ein Retikül zu passen)

-    winzige Bücher (ebenfalls extra klein für Retiküle gemacht)

-    Nähetui mit Nadel, Faden, kleiner Schere

-    Schreibset (kleines Notizbüchlein, Bleistift)

-    kleines Silhouettenbild oder Augenminiatur („Lover’s Eye“) des Liebsten

-    Sehhilfe (Brille, Lorgnette, Lupe o.ä.)

-    Visitenkarten für Besuche

-    ggf. ein Brief oder eine Einladung

-    ggf. eine Schnupftabakdose (es gab auch Damen, die Schnupftabak verwendeten)

Stickmuster und Zierstiche 

25.07.2024

Kleid mit bunter Perlenstickerei, ca. 1810

Einen großen Teil ihrer Freizeit verbrachten junge Damen mit Sticken. Es galt als vornehme Tätigkeit, die viel Geschick und Können erforderte. Tagsüber saßen sie an einem hellen Fenster oder draußen, abends bei Kerzenschein. Zur Unterhaltung konnte einer der Männer aus einem Buch vorlesen oder ein Familienmitglied ein Instrument spielen.

Kleid mit Weiß- und Lochstickerei, frühes 19. Jahrhundert

Gestickt wurde mit einem Stickrahmen und nach Stickmustern. Modische Stickmuster wurden in zahlreichen Zeitschriften für Damen vorgestellt, z.B. in Ackermann’s Repository. Neben einfachen Stichen wie Heft-, Rück-, Ketten- und Hexenstich wurden auch komplexere Stiche wie Grätenstich für Blätter, Rosenstich für Rosenblüten/-knospen, Knotenstich für Blütenstempel, Margeritenstich für Blütenblätter, Ährenstich für Kornähren und der Kreuzstich verwendet. Oft wurden Stickmuster mit Lochstickerei kombiniert und Perlen und Pailletten eingearbeitet. Besonders beliebt war die Weißstickerei. Dabei wurde weiß auf weißem Stoff (oft Musselin) gestickt.

Kleid mit Pailettenstickerei, ca. 1810

Sticken hatte neben der Freizeitbeschäftigung aber auch einen ganz praktischen Grund – bestickte, mit Gold- oder Silberfäden durchwirkte oder anderweitig aufwändig hergestellte Stoffe waren ausgesprochen teuer. Kleidung und Accessoires mit Stickereien selbst zu verzieren war wesentlich kostengünstiger. Auf diese Weise konnte selbst eine junge Dame, die sich keine teuren Stoffe leisten konnte, schön verzierte Kleider tragen, wenn sie im Sticken geübt war. Es konnte daher jede junge Frau bestickte Kleider, Schultertücher etc. haben.

Kopfbedeckungen der Regency-Dame 

25.06.2024

Zeichnung von drei Damenhüten aus der Regency-Zeit

Außer Haus trugen Frauen stets eine Kopfbedeckung. Dazu zählten Schuten und andere Hüte aus Stroh und/oder Stoff, z.B. Samt oder Seide, sowie Hauben aus Stoff, Spitze oder Gaze. Die Dekoration mit Bändern, Federn, Perlen, Kunstblumen etc. war je nach Status, Mode und Geschmack sehr unterschiedlich. 

Die Abbildung zeigt drei Kopfbedeckungen (v.l.n.r.): Haube aus silbernem Netz, gefüttert mit violetter Seide, mit silberner Kordel und Quasten; Haube aus durchsichtiger Gaze, mit Silber eingefasst; gelbe Seidenhaube mit Strohblumen. 

Gemälde einer Hausfrau mit weißer Haube beim Nähen.

Heiratete eine Frau oder war sie unverheiratet und bereits Ende 20, trug sie zu Hause meist eine weiße Haube aus Baumwolle, Leinen, Musselin, Seide oder Spitze. Diese war je nach sozialem und ökonomischem Status sehr schlicht bis hin zu sehr elegant und kostspielig dekoriert mit Spitzen, Borten, Rüschen, Schleier, Netz, Perlen, Broschen etc.

Zeichnung einer Dame mit weißem Turban (1809)

Als Kopfschmuck zu Abendveranstaltungen und Bällen trugen vor allem ältere Damen manchmal Turbane. Sie konnten aus Samt, Seide, Satin etc. sein, verziert mit Schmuck, Bändern, Borten, Spitzen, Straußenfedern u.ä. 

Damenschuhe im Regency

26.05.2024

Halbstiefel aus Leder

Jede junge Dame hatte zumindest drei Paar Schuhe: einfache Schuhe für den Alltag, knöchelhohe Halbstiefel zum Gehen bzw. Wandern und elegante Slipper für Abendveranstaltungen und Bälle. Die Alltagsschuhe waren häufig braun oder schwarz und aus Leder oder Baumwolle, Halbstiefel oft aus Baumwolle oder Ziegenleder, elegante Slipper für Ball- und Abendkleider meist aus farbiger Seide oder Ziegenleder. Die Schuhsohle war stets aus Leder.

Slipper aus Seide

Bis etwa 1800 hatten Schuhe eine zulaufende Spitze und einen niedrigen schmalen, konvexen Absatz. Danach waren die Schuhe vorne abgerundet und ohne Absatz. Es gab keinen Unterschied zwischen rechtem und linkem Schuh. Seidene Bänder, die überkreuz gebunden wurden, gaben auch schlichten Schuhen einen besonderen Touch. Man konnte auch einfach ein langes Seidenband kaufen, es in vier gleich lange Streifen schneiden und an beiden Seiten der Schuhe befestigen.

Zeichnung von Patten

Da das Material der Schuhe dünn, wenig strapazierfähig und nicht wasserdicht war (auch die Halbstiefel nicht), mussten Schuhe gut geschützt und häufig ersetzt werden. Diener trugen daher häufig Unterschuhe aus Holz (Trippen) oder Metall (Patten), die an die Schuhe geschnürt wurden, um sie vor Matsch, Schmutz und Schnee zu schützen. Diese verursachten ein typisches Geräusch beim Gehen.

Stoffgeschäfte und Stoffpreise

29.03. u. 28.04.2024

Stoffgeschäft. Zeichnung 1817.

Stoffe, Spitzen und Bänder konnten von verschiedenen Quellen bezogen werden. Einige Schneiderinnen verfügten über einen Vorrat an Stoffen, aus dem ihre Kundinnen wählen konnten. Allerdings bedeutete dies, finanziell in Vorleistung zu gehen, was sich nur wenige Schneiderinnen leisten konnten. Meist kauften die Damen daher ihren Stoff in einem Stoffgeschäft.

 

Ein beliebtes Londoner Stoffgeschäft war Grafton House. Jane Austen beklagt sich in einem ihrer Briefe, dass sie eine halbe Stunde warten musste, bis sie bedient werden konnte. Doch auch in kleinen Ortschaften gab es meist ein Geschäft, das Stoffe führte. So hatte auch das kleine Highbury in Jane Austens „Emma“ ein solches Geschäft: Ford's. In meiner „Lost in Regency“-Reihe ist es das „Golden Needle“ in Belcot. Daneben gab es Hausierer, die von Tür zu Tür zogen und Stoffe verkauften.

Baumwoll- und Leinenstoffe kosteten meist 2 bis 4 Shilling/Yard. Der Stoff für ein Kleid (ca. 7 Yards) kostete daher etwa 14 bis 28 Shilling (= 1 Pfund 8 Shilling). Feinere Stoffe wie Musselin waren teurer. So erfahren wir in Jane Austens „Northanger Abbey“, dass Mr. Henry Tilney für seine Schwester Musselin um 5 Shilling/Yard und Mrs. Allen Musselin um 9 Shilling/Yard gekauft hat. Für ein Musselinkleid musste man daher etwa 35 bis 63 Shilling (= 1 Pfund 15 Shilling bis 3 Pfund 3 Shilling) oder mehr bezahlen. Daher konnten sich selbst Mittelklassefamilien nur wenige neue Kleidungsstücke pro Jahr leisten. (Zu Einkommensverhältnissen im Regency siehe meine 

Blogbeiträge zu Geld und Einkommen.)

 

Der Lohn für eine Schneiderin war im Vergleich dazu sehr gering, weshalb Damen ihre Kleidung nicht selbst nähten. Jane Austen ließ für sich und ihre Schwester Cassandra 1811 je eine Pelisse nähen und bezahlte dafür insgesamt 8 Shilling, und in ihrem Roman „Emma“ kann es sich sogar die eltern- und mittellose Harriet Smith leisten, ein Kleid von einer jungen Frau nähen zu lassen. 

Berühmte Modemacherinnen

23.02.2024

Gemälde einer nähenden Frau

Eine Dame der besseren Gesellschaft, die ein elegantes Abend- oder Ballkleid anfertigen lassen wollte, beauftragte selbstverständlich keine einfache Schneiderin, sondern eine der berühmten – und teuren – Londoner Modemacherinnen. Während des Regency waren dies unter anderem:

 

  • Mrs. Mary Ann Bell, die ab 1814 an verschiedenen Standorten in London neueste Mode nach französischem Vorbild verkaufte, für die Modezeitschrift La Belle Assemblée schrieb, die ihr Schwiegervater herausgab, und dort auch regelmäßig ihre Entwürfe veröffentlichte.
  • Miss McDonald, die von 1810 bis 1820 aktiv war und berühmt für ihre weißen Hochzeitskleider wurde.
  • Mrs. Bean, die 1807 zunächst als Hutmacherin begann, aber bald auch als Schneiderin arbeitete, schließlich zur Hofschneiderin aufstieg und als solche 1816 etliche Kleider für die Aussteuer von Prinzessin Charlotte kreierte.
  • Madame Le Brun, die in den 1790ern bis etwa 1805 eine der gefragtesten Londoner Modemacherinnen war und vorwiegend für den Adel und die königliche Familie arbeitete.
  • Mrs. Webb, die von etwa 1805 bis 1811 Hof- und Ballkleider für die bessere Gesellschaft fertigte.

Stoffe & Materialien

24.01.2024

Herrenanzug aus Wollstoff, Anfang 19. Jh.

Wolle

Wolle war ein günstiger Rohstoff und zusammen mit Leinen bis ins 18. Jahrhundert hinein das vorherrschende Material für Kleidung in Europa. Im Regency war besonders fein gewebtes, weiches Kammgarn mit leichtem Glanz, „Superfine“ genannt, sehr beliebt für Fracks. 

Leinenkleid, Anfang 19. Jh.

Leinen

Wolle eignete sich nicht gut für häufiges Waschen. Daher wurde alternativ – insbesondere für Kleidungsstücke, die direkt auf der Haut getragen und daher häufig gereinigt werden mussten – Leinen verwendet. 

Baumwollkleid, Anfang 19. Jh.

Baumwolle

Baumwolle war ebenfalls bereits seit Jahrhunderten bekannt, wurde aber erst im Zuge der Kolonisierung und der Entstehung großer Baumwollplantagen in größeren Mengen aus Indien und Amerika nach Europa importiert. Baumwolle konnte nicht nur leichter gereinigt werden als Wolle, sondern eignete sich ähnlich wie Leinen auch hervorragend für das Färben, Bedrucken und Glätten mit heißen Eisen, war jedoch weicher als Leinen und konnte in besonders leichte, feine Stoffe verwebt werden. Baumwolle war daher beliebter für Kleidung als Leinen und wurde auch für Schuhwerk (mit Ledersohle) verwendet. Herrenhemden und -krägen waren entweder aus Baumwolle oder Leinen, je nach Vorliebe des Gentlemans. 

Musselinkleid, Anfang 19. Jh.

Musselin

Musselin ist ein feiner, leichter Baumwollstoff, der während der Regency-Zeit sowohl für Haus- als auch für Abendkleider sehr beliebt und modisch war.

Seidenkleid, Anfang 19. Jh.

Seide

Während Baumwolle durch die Mechanisierung der Textilindustrie deutlich billiger wurde, war Seide, die weiterhin durch Seidenweber von Hand verarbeitet wurde, teuer. Damalige Seide war sehr dünn und leicht, aber recht steif, ähnlich dem heutigen Seidentaft. 

Pelisse aus Seidensatin, Anfang 19. Jh.

Satin

Satin konnte aus Seide oder Baumwolle hergestellt werden (Satin ist kein Material, sondern eine spezielle Webtechnik und kann daher aus verschiedenen Materialien hergestellt werden). Seidensatin war ebenfalls nicht so fließend wie heutiger Satin, sondern fester. 

Frack mit Samtkragen, 1833

Samt

Samt konnte ebenfalls aus Seide oder Baumwolle hergestellt werden. Sehr beliebt für Abendkleider war roter Samt. Bei Männerkleidung wurde Samt für Frackkrägen und Armaufschläge im Lauf des Regency immer beliebter. 

Strümpfe, Handschuhe & Co

22.12.2023

Strümpfe Anfang 19. Jh.

Strümpfe

Aus Seide oder Baumwolle gestrickt, im Winter aus Wolle (ggf. wurden bei formelleren Anlässen Wollstrümpfe unter den eleganteren Seidenstrümpfen getragen). Die Strümpfe wurden von Strumpfbändern (garters) gehalten. 

Chemisette Anfang 19. Jh.

Chemisette 

Weißer Krageneinsatz aus feiner Baumwolle oder Musselin, um bei Tageskleidern mit weitem Ausschnitt das Dekolleté zu bedecken. 

Fichu Anfang 19. Jh.

Fichu

Dünnes Dreiecktuch, die Enden wurden vorne befestigt oder in den Ausschnitt gesteckt. 

Handschuhe Anfang 19. Jh.

Handschuhe

Aus Baumwolle, Seide oder Leder. Es war ein Zeichen schlechter Kinderstube, außer Haus keine Handschuhe zu tragen. Zu (langärmeligen) Hauskleidern oder Straßenkleidern trug man handgelenkslange weiße, beige oder gelbe Handschuhe, zu kurzärmeligen Abend- und Ballkleidern ellbogenlange, meist weiße Handschuhe. Beim Essen zog man die Handschuhe aus und legte sie auf den Schoß, darüber eine Serviette. Handschuhe beim Essen zu tragen galt als schlechtes Benehmen.

Überbekleidung der Regency-Dame

20.11.2023

Spenzer mit Verzierung

Spenzer

Kurzjacke mit langen oder kurzen Ärmeln. Oft mit Stickereien, Borten oder Pelzbesatz verziert. Sehr modisch waren Spenzer im militärischen Stil mit Posamentenverschlüssen, wie er auf dem Cover zu meinem Buch "Kein Baron für Miss Louisa" zu sehen ist. 

Pelisse mit Posamenten- und Pelzbesatz

Pelisse (Redingote) 

Langer Mantel im Stil eines Kleides mit hoch angesetzter Taille, der vorne mit Knöpfen geschlossen wurde.  Auch das Oberteil der Pelisse war oft mit Stickereien, Pelzbesatz oder Posamenten im militärischen Stil verziert.

 

 

Umhang mit Kapuze

Umhang 

Ärmelloses, weites Kleidungsstück, oft mit Kapuze. 

Schultertuch

Schultertuch

Quadratisches oder dreieckiges Tuch, das – je nachdem, ob es als Accessoire oder tatsächlich zum Wärmen verwendet wurde –, aus verschiedenen Materialien und verschieden groß sein konnte. 

Schal

Schal 

Rechteckiger Stoff, an den Enden oft mit modischem Paisley-Muster verziert. 

Pelzstola (tippet)

Pelzstola (tippet) 

Pelzbesetzter Schal mit schmal zulaufenden Enden. 

Kleider der Regency-Dame

25.10.2023

Regency-Dame in Hauskleid

Hauskleid (morning gown)

Tagsüber im Haus trugen Damen Hauskleider. Sie waren meist langärmlig, hochgeschlossen und recht schlicht, da nur Familienmitglieder sie sahen. Wenn man Besuch erwartete, zog man gegebenenfalls ein besseres Hauskleid an.

Regency-Dame in Straßenkleid

Straßenkleid (walking dress) 

 Straßenkleider wurden tagsüber außerhalb des Hauses getragen, z.B. bei Besuchen oder beim Einkaufen. Straßenkleider waren etwas aufwändiger als Hauskleider, oft wurden aber auch einfach bessere Hauskleider als Straßenkleider getragen. 

 

Regency-Dame in Promenadenkleid

Promenadenkleid (promenade dress) 

Promenadenkleider waren elegantere Straßenkleider und wurden am späteren Nachmittag, beispielsweise beim Promenieren und bei Ausflügen in den Hyde Park, getragen.

Regency-Dame in Reitkleidung

Reitkleidung (riding habit) 

Die Reitkleidung bestand aus einer kurzen Jacke und einem Rock mit langer Schleppe, um die Beine beim seitlichen Sitz im Damensattel zu bedecken. Hut, Reitgerte, Reithandschuhe und -stiefel komplettierten das Outfit.

Regency-Dame in Abendkleid

Abendkleid (evening dress) 

Abendkleider waren aus eleganten Stoffen wie Musselin, Taft, Satin oder Seide und hatten ein weit ausgeschnittenes Dekolleté. Sie konnten lang- oder kurzärmelig sein und hatten manchmal eine Schleppe. Der Saum war oft verziert mit Stickereien, Spitzen und Borten. Abendkleider wurden zum Dinner sowie zu Abendveranstaltungen wie Theater oder Oper getragen. 

Regency-Dame in Ballkleid

Ballkleid (ball gown) 

Ballkleider waren eleganter als Abendkleider und oft kürzer als diese, damit man beim Tanzen nicht auf den Saum trat. Der Saum war oft mit Bändern, Stickereien und Blumenapplikationen verziert. Debütantinnen trugen meist helle Ballkleider. 

Undress, Half Dress, Full Dress

Noch eine kurze Bemerkung zu den Begriffen „undress“, „half dress“ und „full dress“, die auf Abbildungen in Modezeitschriften der damaligen Zeit häufig zu finden sind: „undress“ bezeichnet die informelle Kleidung tagsüber (Haus- und Straßenkleider), „full dress“ die formelle Abendkleidung (Ballkleider sowie Abendkleider für formelle Anlässe wie Empfänge und Theater/Oper). „Half dress“ liegt dazwischen und bezeichnet Promenadenkleider sowie Abendkleider für informelle Anlässe wie Dinner und Soirées. 

Untergewand der Regency-Dame

Weißer Petticoat aus Leinen (Anfang 19. Jahrhundert)

Der Petticoat

16.09.2023

Der Petticoat der Regency-Zeit war ein knöchellanges, ärmelloses Unterkleid mit Schulterträgern, das über dem Korsett und unter dem eigentlichen Kleid getragen wurde. Er folgte in Schnitt und Form dem Ausschnitt und Rockteil des Kleides, unter dem er getragen werden sollte, und war oft etwas verziert, da man den Petticoat unter Umständen durch den dünnen Stoff des darüber getragenen Kleides hindurchschimmern sah und der Saum des Petticoats beim Gehen manchmal unter dem Kleid hervorblitzte. 

Bei tiefen Temperaturen konnten unter dem Kleid mehrere Petticoats getragen werden, wie es auch Dorothy in meinem Buch "Eine Braut für Admiral Worsley" tat – vorausgesetzt, das Kleid war weit genug dafür.

Zeichnung der Rückenansicht eines Korsetts mit spiralförmiger Schnürung (1813)

Das Korsett

13.08.2023

Die Korsetts der Regency-Zeit waren meist aus heller Baumwolle, seltener aus Leinen, und besaßen Schulterbänder, die manchmal vorn oder hinten geschnürt und dadurch in der Länge angepasst werden konnten. Am oberen Saum war meist ein Zugbändchen, mit dem sich die obere Weite der Körbchen regulieren ließ.

Versteifung

Das Korsett (engl. stays) hatte keine Fischbeinversteifungen. Die einzige Versteifung war das Blankscheit (engl. busk), ein in eine eingenähte Stofftasche gestecktes, zwischen den Körbchen nach unten führendes schmales Holzbrettchen von ca. 30-40cm Länge, um eine aufrechte Haltung und gerade Linie zu gewährleisten. Die Stofftasche wurde mit einer Schleife oder Stofflasche verschlossen, sodass das Blankscheit während des Tragens nicht herausrutschen konnte, für die Reinigung des Korsetts jedoch herausgenommen werden konnte.

Schnürung
Die Ösen für die Schnürung bestanden aus umnähten Löchern. Geschnürt wurden Korsetts im Rücken mit einer einzelnen spiralförmig geschlungenen Schnur, wie man im Bild sieht (viele Regency-Korsetts in Filmen, aber auch in Museen sind mit zwei überkreuzten Schnüren und daher falsch geschnürt), weshalb die Ösen oft versetzt waren. 

 
Weiterentwicklung in viktorianischer Zeit
Die Korsetts der Regency-Zeit folgten der natürlichen Körperform und waren nicht für eine enge Schnürung gedacht. Ab den 1820er Jahren änderte sich die Mode, und die Taillenlinie wanderte langsam wieder an ihre natürliche Position. Ab den 1830er Jahren wurden eng geschnürte Taillen modern, und die bis heute typischen Merkmale von Korsetts kamen auf – eingeschlagene Metallösen, kreuzweise Schnürung und das Planchet, ein aus zwei ineinander einhakbaren Metallschienen bestehender Verschluss auf der Vorderseite, der das Korsett leichter an- und ausziehbar macht. 

Foto einer Chemise

Die Chemise 

11.07.2023

Wenn es um die Unterwäsche einer Regency-Dame geht, denken viele zunächst an das Korsett. Dennoch war das Korsett nicht das unterste Kleidungsstück, das eine Dame trug. Um das Korsett vor Körperfett zu schützen, sodass es nicht ständig gereinigt werden musste, wurde darunter eine einfache, leicht zu reinigende Chemise getragen. Dabei handelte es sich um ein schlichtes, etwa knielanges Unterkleid aus weißer Baumwolle mit kurzen Ärmeln und weitem Ausschnitt, das manchmal vorne an der Brust mit Bändern zusammengezogen werden konnte. 

Bildnachweise

Die auf dieser Seite verwendeten Bilder stammen vom Metropolitan Museum of Art, dem Rijksmuseum Amsterdam, dem Yale Center for British Art, dem Internet Archive sowie Wikimedia Commons und befinden sich in der Public Domain.



Textquellen

Meine Recherchen stützen sich vorwiegend auf die folgenden Quellen. Je nach Thema ziehe ich fallweise auch weitere Literatur (wissenschaftliche Fachartikel, Nachschlagewerke etc.) heran. 

 
Literatur:

  • Ian Mortimer, Im Rausch des Vergnügens. Eine Reise in das England von Jane Austen und Lord Byron (Verlag Piper, 2022)  
  • Jennifer Kloester, Georgette Heyer’s Regency World (Verlag Sourcebooks, 2010) 


Blogs:

sowie diverse Blogs von Regency-Autorinnen