Gemälde einer Dame mit Regency-Kleid, Korallenkette und Taschenuhr, daneben Text "Kleidung & Accessoires"

Auf dieser Seite finden Sie Beiträge zu Kleidung und Accessoires, die von den Ladys und Gentlemen im England der Regency-Zeit getragen wurden.

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Berühmte Modemacherinnen

23.02.2024

Gemälde einer nähenden Frau

Eine Dame der besseren Gesellschaft, die ein elegantes Abend- oder Ballkleid anfertigen lassen wollte, beauftragte selbstverständlich keine einfache Schneiderin, sondern eine der berühmten – und teuren – Londoner Modemacherinnen. Während des Regency waren dies unter anderem:

 

  • Mrs. Mary Ann Bell, die ab 1814 an verschiedenen Standorten in London neueste Mode nach französischem Vorbild verkaufte, für die Modezeitschrift La Belle Assemblée schrieb, die ihr Schwiegervater herausgab, und dort auch regelmäßig ihre Entwürfe veröffentlichte.
  • Miss McDonald, die von 1810 bis 1820 aktiv war und berühmt für ihre weißen Hochzeitskleider wurde.
  • Mrs. Bean, die 1807 zunächst als Hutmacherin begann, aber bald auch als Schneiderin arbeitete, schließlich zur Hofschneiderin aufstieg und als solche 1816 etliche Kleider für die Aussteuer von Prinzessin Charlotte kreierte.
  • Madame Le Brun, die in den 1790ern bis etwa 1805 eine der gefragtesten Londoner Modemacherinnen war und vorwiegend für den Adel und die königliche Familie arbeitete.
  • Mrs. Webb, die von etwa 1805 bis 1811 Hof- und Ballkleider für die bessere Gesellschaft fertigte.

Stoffe & Materialien

24.01.2024

Herrenanzug aus Wollstoff, Anfang 19. Jh.

Wolle

Wolle war ein günstiger Rohstoff und zusammen mit Leinen bis ins 18. Jahrhundert hinein das vorherrschende Material für Kleidung in Europa. Im Regency war besonders fein gewebtes, weiches Kammgarn mit leichtem Glanz, „Superfine“ genannt, sehr beliebt für Fracks. 

Leinenkleid, Anfang 19. Jh.

Leinen

Wolle eignete sich nicht gut für häufiges Waschen. Daher wurde alternativ – insbesondere für Kleidungsstücke, die direkt auf der Haut getragen und daher häufig gereinigt werden mussten – Leinen verwendet. 

Baumwollkleid, Anfang 19. Jh.

Baumwolle

Baumwolle war ebenfalls bereits seit Jahrhunderten bekannt, wurde aber erst im Zuge der Kolonisierung und der Entstehung großer Baumwollplantagen in größeren Mengen aus Indien und Amerika nach Europa importiert. Baumwolle konnte nicht nur leichter gereinigt werden als Wolle, sondern eignete sich ähnlich wie Leinen auch hervorragend für das Färben, Bedrucken und Glätten mit heißen Eisen, war jedoch weicher als Leinen und konnte in besonders leichte, feine Stoffe verwebt werden. Baumwolle war daher beliebter für Kleidung als Leinen und wurde auch für Schuhwerk (mit Ledersohle) verwendet. Herrenhemden und -krägen waren entweder aus Baumwolle oder Leinen, je nach Vorliebe des Gentlemans. 

Musselinkleid, Anfang 19. Jh.

Musselin

Musselin ist ein feiner, leichter Baumwollstoff, der während der Regency-Zeit sowohl für Haus- als auch für Abendkleider sehr beliebt und modisch war.

Seidenkleid, Anfang 19. Jh.

Seide

Während Baumwolle durch die Mechanisierung der Textilindustrie deutlich billiger wurde, war Seide, die weiterhin durch Seidenweber von Hand verarbeitet wurde, teuer. Damalige Seide war sehr dünn und leicht, aber recht steif, ähnlich dem heutigen Seidentaft. 

Pelisse aus Seidensatin, Anfang 19. Jh.

Satin

Satin konnte aus Seide oder Baumwolle hergestellt werden (Satin ist kein Material, sondern eine spezielle Webtechnik und kann daher aus verschiedenen Materialien hergestellt werden). Seidensatin war ebenfalls nicht so fließend wie heutiger Satin, sondern fester. 

Frack mit Samtkragen, 1833

Samt

Samt konnte ebenfalls aus Seide oder Baumwolle hergestellt werden. Sehr beliebt für Abendkleider war roter Samt. Bei Männerkleidung wurde Samt für Frackkrägen und Armaufschläge im Lauf des Regency immer beliebter. 

Strümpfe, Handschuhe & Co

22.12.2023

Strümpfe Anfang 19. Jh.

Strümpfe

Aus Seide oder Baumwolle gestrickt, im Winter aus Wolle (ggf. wurden bei formelleren Anlässen Wollstrümpfe unter den eleganteren Seidenstrümpfen getragen). Die Strümpfe wurden von Strumpfbändern (garters) gehalten. 

Chemisette Anfang 19. Jh.

Chemisette 

Weißer Krageneinsatz aus feiner Baumwolle oder Musselin, um bei Tageskleidern mit weitem Ausschnitt das Dekolleté zu bedecken. 

Fichu Anfang 19. Jh.

Fichu

Dünnes Dreiecktuch, die Enden wurden vorne befestigt oder in den Ausschnitt gesteckt. 

Handschuhe Anfang 19. Jh.

Handschuhe

Aus Baumwolle, Seide oder Leder. Es war ein Zeichen schlechter Kinderstube, außer Haus keine Handschuhe zu tragen. Zu (langärmeligen) Hauskleidern oder Straßenkleidern trug man handgelenkslange weiße, beige oder gelbe Handschuhe, zu kurzärmeligen Abend- und Ballkleidern ellbogenlange, meist weiße Handschuhe. Beim Essen zog man die Handschuhe aus und legte sie auf den Schoß, darüber eine Serviette. Handschuhe beim Essen zu tragen galt als schlechtes Benehmen.

Überbekleidung der Regency-Dame

20.11.2023

Spenzer mit Verzierung

Spenzer

Kurzjacke mit langen oder kurzen Ärmeln. Oft mit Stickereien, Borten oder Pelzbesatz verziert. Sehr modisch waren Spenzer im militärischen Stil mit Posamentenverschlüssen, wie er auf dem Cover zu meinem Buch "Kein Baron für Miss Louisa" zu sehen ist. 

Pelisse mit Posamenten- und Pelzbesatz

Pelisse (Redingote) 

Langer Mantel im Stil eines Kleides mit hoch angesetzter Taille, der vorne mit Knöpfen geschlossen wurde.  Auch das Oberteil der Pelisse war oft mit Stickereien, Pelzbesatz oder Posamenten im militärischen Stil verziert.

 

 

Umhang mit Kapuze

Umhang 

Ärmelloses, weites Kleidungsstück, oft mit Kapuze. 

Schultertuch

Schultertuch

Quadratisches oder dreieckiges Tuch, das – je nachdem, ob es als Accessoire oder tatsächlich zum Wärmen verwendet wurde –, aus verschiedenen Materialien und verschieden groß sein konnte. 

Schal

Schal 

Rechteckiger Stoff, an den Enden oft mit modischem Paisley-Muster verziert. 

Pelzstola (tippet)

Pelzstola (tippet) 

Pelzbesetzter Schal mit schmal zulaufenden Enden. 

Kleider der Regency-Dame

25.10.2023

Regency-Dame in Hauskleid

Hauskleid (morning gown)

Tagsüber im Haus trugen Damen Hauskleider. Sie waren meist langärmlig, hochgeschlossen und recht schlicht, da nur Familienmitglieder sie sahen. Wenn man Besuch erwartete, zog man gegebenenfalls ein besseres Hauskleid an.

Regency-Dame in Straßenkleid

Straßenkleid (walking dress) 

 Straßenkleider wurden tagsüber außerhalb des Hauses getragen, z.B. bei Besuchen oder beim Einkaufen. Straßenkleider waren etwas aufwändiger als Hauskleider, oft wurden aber auch einfach bessere Hauskleider als Straßenkleider getragen. 

 

Regency-Dame in Promenadenkleid

Promenadenkleid (promenade dress) 

Promenadenkleider waren elegantere Straßenkleider und wurden am späteren Nachmittag, beispielsweise beim Promenieren und bei Ausflügen in den Hyde Park, getragen.

Regency-Dame in Reitkleidung

Reitkleidung (riding habit) 

Die Reitkleidung bestand aus einer kurzen Jacke und einem Rock mit langer Schleppe, um die Beine beim seitlichen Sitz im Damensattel zu bedecken. Hut, Reitgerte, Reithandschuhe und -stiefel komplettierten das Outfit.

Regency-Dame in Abendkleid

Abendkleid (evening dress) 

Abendkleider waren aus eleganten Stoffen wie Musselin, Taft, Satin oder Seide und hatten ein weit ausgeschnittenes Dekolleté. Sie konnten lang- oder kurzärmelig sein und hatten manchmal eine Schleppe. Der Saum war oft verziert mit Stickereien, Spitzen und Borten. Abendkleider wurden zum Dinner sowie zu Abendveranstaltungen wie Theater oder Oper getragen. 

Regency-Dame in Ballkleid

Ballkleid (ball gown) 

Ballkleider waren eleganter als Abendkleider und oft kürzer als diese, damit man beim Tanzen nicht auf den Saum trat. Der Saum war oft mit Bändern, Stickereien und Blumenapplikationen verziert. Debütantinnen trugen meist helle Ballkleider. 

 

Noch eine kurze Bemerkung zu den Begriffen „undress“, „half dress“ und „full dress“, die auf Abbildungen in Modezeitschriften der damaligen Zeit häufig zu finden sind: „undress“ bezeichnet die informelle Kleidung tagsüber (Haus- und Straßenkleider), „full dress“ die formelle Abendkleidung (Ballkleider sowie Abendkleider für formelle Anlässe wie Empfänge und

Theater/Oper). „Half dress“ liegt dazwischen und bezeichnet  

Promenadenkleider sowie 

Abendkleider für informelle Anlässe wie Dinner und Soirées. 

Untergewand der Regency-Dame

Weißer Petticoat aus Leinen (Anfang 19. Jahrhundert)

Der Petticoat

16.09.2023

Der Petticoat der Regency-Zeit war ein knöchellanges, ärmelloses Unterkleid mit Schulterträgern, das über dem Korsett und unter dem eigentlichen Kleid getragen wurde. Er folgte in Schnitt und Form dem Ausschnitt und Rockteil des Kleides, unter dem er getragen werden sollte, und war oft etwas verziert, da man den Petticoat unter Umständen durch den dünnen Stoff des darüber getragenen Kleides hindurchschimmern sah und der Saum des Petticoats beim Gehen manchmal unter dem Kleid hervorblitzte. 

Bei tiefen Temperaturen konnten unter dem Kleid mehrere Petticoats getragen werden, wie es auch Dorothy in meinem Buch "Eine Braut für Admiral Worsley" tat – vorausgesetzt, das Kleid war weit genug dafür.

Zeichnung der Rückenansicht eines Korsetts mit spiralförmiger Schnürung (1813)

Das Korsett

13.08.2023

Die Korsetts der Regency-Zeit waren meist aus heller Baumwolle, seltener aus Leinen, und besaßen Schulterbänder, die manchmal vorn oder hinten geschnürt und dadurch in der Länge angepasst werden konnten. Am oberen Saum war meist ein Zugbändchen, mit dem sich die obere Weite der Körbchen regulieren ließ.

Versteifung

Das Korsett (engl. stays) hatte keine Fischbeinversteifungen. Die einzige Versteifung war das Blankscheit (engl. busk), ein in eine eingenähte Stofftasche gestecktes, zwischen den Körbchen nach unten führendes schmales Holzbrettchen von ca. 30-40cm Länge, um eine aufrechte Haltung und gerade Linie zu gewährleisten. Die Stofftasche wurde mit einer Schleife oder Stofflasche verschlossen, sodass das Blankscheit während des Tragens nicht herausrutschen konnte, für die Reinigung des Korsetts jedoch herausgenommen werden konnte.

Schnürung
Die Ösen für die Schnürung bestanden aus umnähten Löchern. Geschnürt wurden Korsetts im Rücken mit einer einzelnen spiralförmig geschlungenen Schnur, wie man im Bild sieht (viele Regency-Korsetts in Filmen, aber auch in Museen sind mit zwei überkreuzten Schnüren und daher falsch geschnürt), weshalb die Ösen oft versetzt waren. 

 
Weiterentwicklung in viktorianischer Zeit
Die Korsetts der Regency-Zeit folgten der natürlichen Körperform und waren nicht für eine enge Schnürung gedacht. Ab den 1820er Jahren änderte sich die Mode, und die Taillenlinie wanderte langsam wieder an ihre natürliche Position. Ab den 1830er Jahren wurden eng geschnürte Taillen modern, und die bis heute typischen Merkmale von Korsetts kamen auf – eingeschlagene Metallösen, kreuzweise Schnürung und das Planchet, ein aus zwei ineinander einhakbaren Metallschienen bestehender Verschluss auf der Vorderseite, der das Korsett leichter an- und ausziehbar macht. 

Foto einer Chemise

Die Chemise 

11.07.2023

Wenn es um die Unterwäsche einer Regency-Dame geht, denken viele zunächst an das Korsett. Dennoch war das Korsett nicht das unterste Kleidungsstück, das eine Dame trug. Um das Korsett vor Körperfett zu schützen, sodass es nicht ständig gereinigt werden musste, wurde darunter eine einfache, leicht zu reinigende Chemise getragen. Dabei handelte es sich um ein schlichtes, etwa knielanges Unterkleid aus weißer Baumwolle mit kurzen Ärmeln und weitem Ausschnitt, das manchmal vorne an der Brust mit Bändern zusammengezogen werden konnte. 

Bildnachweise

Die auf dieser Seite verwendeten Bilder stammen vom Metropolitan Museum of Art sowie vom Rijksmuseum Amsterdam und befinden sich in der Public Domain. Mit Klick auf das Bild gelangen Sie zum jeweiligen Bild auf der Museumsseite.

Textquellen

Meine Recherchen stützen sich vorwiegend auf die folgenden Quellen. Je nach Thema ziehe ich fallweise auch weitere Literatur (wissenschaftliche Fachartikel, Nachschlagewerke etc.) heran. 

 
Literatur:

  • Ian Mortimer, Im Rausch des Vergnügens. Eine Reise in das England von Jane Austen und Lord Byron (Verlag Piper, 2022)  
  • Jennifer Kloester, Georgette Heyer’s Regency World (Verlag Sourcebooks, 2010) 


Blogs:

sowie diverse Blogs von Regency-Autorinnen