Gemälde eines mit Weinglas, Weintrauben und Kuchen gedeckten Tisches, daneben Text "Speis und Trank"

Auf dieser Seite finden Sie Beiträge zu Mahlzeiten, Lebensmitteln und Getränken, die  im England der Regency-Zeit üblich waren.

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Importierte Lebensmittel aus Englands Kolonien 

23.02.2023

Gemälde eines Frühstückstisches

Die Speisekarte wohlhabender Haushalte wies Lebensmittel aus dem gesamten British Empire auf. Hier eine kleine Auswahl:

 

Tee

Tee wurde zunächst aus China, ab 1820 aus Indien importiert. Tee war teuer und mit hohen Steuern belegt und wurde daher versperrt aufbewahrt. 

 

Zucker

Zum Süßen von Speisen wurde traditionell Honig verwendet. Durch die Kolonialisierung kam importierter Rohrzucker von den Zuckerrohrplantagen Jamaikas hinzu. Der frische Zuckerrohrsaft wurde auf den Plantagen aufgekocht und als dunkle Rohzuckermasse in Fässern nach England verschifft, wo die Masse raffiniert und in konische Formen gegossen wurde. Die auf diese Weise hergestellten Zuckerhüte wurden mit Zuckerhämmern oder Zuckerhacken zerkleinert und die Zuckerstücke in Zuckerdosen mit einer Zuckerzange serviert.

 

Kaffee

Kaffee stammt ursprünglich aus dem Nahen Osten. Da die europäischen Kolonialmächte viele Länder eroberten, die sich für den Kaffeeanbau eigneten, wurde Kaffee bald aus Asien, der Karibik und Südamerika nach Europa importiert. England importierte Kaffee u.a. aus Ceylon (heute: Sri Lanka).

 

Schokolade

Die Kakaobohne stammt aus Mittelamerika. Mit Jamaika eroberte England ein Gebiet, in dem neben Zucker auch Kakao angebaut wurde. Die Kakaobohnen wurden nach der Ernte getrocknet, exportiert und in England zu Schokolade weiterverarbeitet und üblicherweise – meist von Damen am Morgen – als Getränk konsumiert. Heiße Schokolade wurde ungezuckert getrunken, manchmal aber mit Gewürzen wie Nelken, Vanille oder Zimt verfeinert.

 

Exotische Früchte

In der Ära der Segelschiffe waren die Transportzeiten zu lang, um frische Früchte aus den Kolonien nach England zu bringen. Importiert wurden daher hauptsächlich getrocknete Früchte wie Datteln, Feigen und Rosinen. Ananas, Pfirsiche, Pflaumen, Feigen, Aprikosen und Zitrusfrüchte wurden stattdessen in England in Gewächshäusern gezüchtet. Viele Landbesitzer besaßen Gewächshäuser, in denen neben exotischen Früchten auch exotische Blumen gezüchtet wurden.

Essen außer Haus - Inns, Clubs & Kaffeehäuser

24.01.2023

Gentlemen beim Dinner in einem Country Club, Karrikatur Anfang 19. Jh.

Ein Gentleman, der keine Ehefrau oder Haushälterin hatte, konnte in einem Kaffeehaus, einem Inn oder, sofern er es sich leisten konnte, in seinem Club essen. Der Koch des Prince Regent gründete einen Dining Club, Watier’s, in dem es sehr gutes (und sehr teures) Essen gab. Andere Clubs boten ebenfalls Mahlzeiten an, allerdings meist dieselben, während es bei Watier’s ein täglich wechselndes Menü gab. Hotels boten ebenfalls Mahlzeiten für ihre Gäste an. Auf dem Land gab es Poststationen mit angeschlossenen Inns sowie Schenken oder Wirtshäuser. 

 

Eine unverheiratete Dame konnte höchstens in Begleitung ihrer Anstandsdame oder ihres Vaters oder Bruders essen gehen, aber nicht mit einem jungen Gentleman. Üblicherweise ging eine Dame nur auswärts essen, wenn sie in Gesellschaft (z.B. auf einer Dinnerparty oder einem Ball) oder auf Reisen war. Bei letzterem wurde für anständige Familien ein separater Raum im Inn genutzt, damit sie nicht mit dem gewöhnlichen Volk im Gastraum essen mussten. 

 

Besonders zu erwähnen ist an dieser Stelle natürlich Gunter’s Tea Shop am Londoner Berkeley Square, benannt nach seinem Besitzer James Gunter. 1757 als „Pot and Pine Apple“ gegründet, wurden dort neben Tee allerlei englische, französische und italienische Süßigkeiten sowie Eiscreme verkauft und auf Bestellung Hochzeitstorten hergestellt. Wer es sich leisten konnte, ließ seinen Haushalt oder seine Veranstaltung von Gunters Catering-Service beliefern.

Getränke

22.12.2023

Stilleben mit Weinglas

Nichtalkoholische Getränke: 

  • Tee, Kaffee, heiße Schokolade 
  • Limonade (Wasser, Zitronensaft und Zucker, meist mit Eis gekühlt) 
  • Orgeat Lemonade (Sirup aus Mandelextrakt, Zucker und Orangenblütenwasser, mit Limonade und Sodawasser vermischt) 

 

Mischgetränke mit Alkohol: 

  • Cordeal Waters (verschiedenste Rezepte aus Safran, Rosinen, Zimt, Zucker, Lakritze, Koriander, Cognac, Wasser) 
  • Ratafia (süßes, fermentiertes Mischgetränk aus Brandy, Fruchtsäften, Zucker, zerstoßenen Mandeln, Gewürzen oder Destillaten) 
  • Negus (Glühwein aus Portwein, heißem Zitronensaft, Zucker und Gewürzen wie Zimt, Muskat und Gewürznelken) 

 

Alkoholische Getränke: 

  • Bier, Ale 
  • Cider 
  • Portwein, Sherry, Madeira, Cognac, Brandy 
  • Rum, Gin, Whisky

Mahlzeiten

Gemälde mit einfachem Frühstück

Frühstück

11.07.2023

Das Frühstück bestand in der Regel aus Brot, oft getoastet, oder Gebäck mit Marmelade, Eiern, Schinken oder Speck. Zusätzlich konnte geräucherter Fisch, Fleisch, Butter, Kuchen und Eingemachtes aufgetischt werden. Übliche Getränke waren Tee, Kaffee und Schokolade (die im Regency ungezuckert getrunken wurde), Herren tranken oft auch Bier zum Frühstück.
 

Land- und Stadtbewohner, die für ihren Lebensunterhalt arbeiteten, frühstückten gegen 8:00 Uhr oder früher, der „Ton“, also die obere Gesellschaftsschicht, gegen 10:00 Uhr. Allerdings standen diese Personen dennoch bereits davor auf, kleideten sich an und verbrachten ein bis zwei Stunden mit Lesen, Briefeschreiben oder Spaziergängen, bevor sie frühstückten. Manche Damen tranken daher nach dem Aufstehen eine Tasse Schokolade oder Tee und aßen ein oder zwei Scheiben Toast, um sich für die Aktivitäten vor dem Frühstück zu stärken. 

Zeichnung eines Tisches mit Obsttellern

Mittagessen: Lunch / Luncheon / Nunch / Nuncheon

13.08.2023

Bis Anfang des 19. Jahrhunderts war das Mittagessen in England keine regelmäßige Mahlzeit. Die Wörter „lunch“ und „luncheon“ gab es zwar bereits, sie standen aber ursprünglich für ein Stück Brot oder Käse. Leichte Zwischenmahlzeiten wurden bis ins 18. Jahrhundert als „nunch“ oder „nuncheon“ bezeichnet. 

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts begannen die Damen der gehobenen Gesellschaft, gegen ein Uhr mittags eine leichte Mahlzeit aus kalten Speisen einzunehmen (meist Brot, Fleisch, Käse und Obst, dazu Wein, Tee oder Kaffee). Für diese Zwischenmahlzeit wurde in gehobenen Kreisen der Begriff „lunch“ oder „luncheon“ übernommen (wobei „luncheon“ als noblerer Begriff galt), während sie in den mittleren und unteren Schichten weiterhin als „nuncheon“ bezeichnet wurde. 

 

Da die meisten Männer, auch jene aus der Adelsschicht, den größten Teil des Tages außer Haus verbrachten, waren sie in der Regel nicht anwesend, wenn die Damen ihres Haushalts zu Mittag aßen. Sie nahmen gegebenenfalls in einem Kaffeehaus oder ihrem Club einen Imbiss ein. 

Picknickgesellschaft an einem langen Tisch am Ufer eines kleinen Flusses (Zeichnung, 1816)

Picknicks & al-fresco-Mahlzeiten

16.09.2023

Ein Picknick oder, wie es im Regency häufig bezeichnet wurde, eine Mahlzeit al fresco war nicht das, was wir heute darunter verstehen – eine ausgebreitete Decke in der Wiese, auf der man beisammensaß und sich selbst aus mitgebrachten Körben bediente. Im Regency verstand man darunter eine Mahlzeit, die wie jede andere auch bei Tisch von Dienstboten serviert wurde, mit dem Unterschied, dass die Mahlzeit im Freien stattfand. 

 

Entweder brachte jeder Gast etwas zu essen mit, sodass es eine bunte Auswahl gab – allerdings mit dem Risiko, dass mehrere Personen ähnliche Speisen mitbrachten – oder der Gastgeber des Picknicks kümmerte sich um sämtliche Speisen. 

Die Gäste wurden ebenso wie Körbe mit Getränken, Speisen und Geschirr, Tische, Stühle und Dienstboten mit Pferden und Wagen transportiert. War der Picknickplatz abgelegen und mit Wagen nicht erreichbar, mussten die Gäste das letzte Stück zu Fuß zurücklegen und die Dienstboten sämtliche Körbe und Möbelstücke tragen, an der gewünschten Stelle alles aufbauen und servieren und nach dem Picknick alles zusammenpacken und abtransportieren.

Regency-Gentleman beim Dinner

Dinner

25.10.2023

Das Dinner war die Hauptmahlzeit des Tages. Auf dem Land wurde es gegen 17h oder 18h serviert, in der Stadt später, wobei es davon abhing, ob man danach noch etwas vorhatte (Theater, Soirée, Ball). 

 

Ein Dinner bestand meist aus drei bis vier Gängen. Der erste Gang bestand aus einer Suppe und Fischgerichten, dazu Gemüsebeilagen und Pasteten, angerichtet auf verschiedenen Tellern und Platten, die nach einer optisch ansprechenden, symmetrischen Ordnung auf dem Tisch verteilt waren. Der zweite Gang bestand aus leichtem Fleisch wie Geflügel und möglicherweise Kaninchen. Als dritter Gang wurde ein Braten aus Rind-, Wild- oder Schweinefleisch serviert, der vom Gastgeber tranchiert wurde. Hatte das Dinner nur drei Gänge, wurden alle Fleischgerichte zusammen in einem Gang serviert. Als letzter Gang folgte das Dessert – Obst, Nüsse, Kuchen, Pudding etc. 

Regency-Gentleman beim Supper

Supper

20.11.2023

Wenn die Damen und Gentlemen nach Abendveranstaltungen wie einem Theaterbesuch spätnachts heimkehrten, nahmen sie oft noch ein kleines, meist kaltes Nachtmahl zu sich, das Supper. Auch bei Bällen, die oft bis in die frühen Morgenstunden dauerten, auf Hauspartys sowie in Herrenclubs wurde den Gästen häufig gegen Mitternacht ein Supper serviert. 

Ein Supper war wesentlich informeller und weniger üppig als ein Dinner und bestand üblicherweise aus kaltem Braten, Wurst und Käse, Brot und Gebäck, Obst sowie Süßspeisen wie Kuchen und Keksen. 

Bildnachweise

Die auf dieser Seite verwendeten Bilder stammen vom Metropolitan Museum of Art sowie vom Rijksmuseum Amsterdam und befinden sich in der Public Domain. Mit Klick auf das Bild gelangen Sie zum jeweiligen Bild auf der Museumsseite.

Textquellen

Meine Recherchen stützen sich vorwiegend auf die folgenden Quellen. Je nach Thema ziehe ich fallweise auch weitere Literatur (wissenschaftliche Fachartikel, Nachschlagewerke etc.) heran. 

Literatur:

  • Ian Mortimer, Im Rausch des Vergnügens. Eine Reise in das England von Jane Austen und Lord Byron (Verlag Piper, 2022)  
  • Jennifer Kloester, Georgette Heyer’s Regency World (Verlag Sourcebooks, 2010) 


Blogs:

sowie diverse Blogs von Regency-Autorinnen